1. März 2022, berufliche Aus- und Weiterbildung, Lebenslanges Lernen

Digitale Bildungsmarktplätze von courseticket

Von den courseticket-Gründern kann man lernen, Ideen auch immer weiter zu spinnen, sie weiterzuentwickeln, um zum Beispiel neue Geschäftsbereiche zu erschließen. Der erste Gründungsgedanke einer Nachhilfe-Plattform für die Vermittlung von Lehrenden und Lernenden verwarf Alexander Schmid schnell wieder. Es reifte eine andere Idee heran, die 2014 durch eine Finanzierung und die Partnerschaft mit den Co-Gründern Markus Kainz, Johann Brandauer und Berthold Baurek-Karlic zum offiziellen Gründungsstart von courseticket führte. Die Idee: eine digitale Plattform für Veranstalter:innen, die darüber das Kurs-Management, die Verwaltung und die Bewerbung gestalten können. „Ein simpler und leicht bedienbarer Online-Marktplatz für Aus- und Weiterbildungsangebote“, sagt Alexander, der an der TU Wien Wirtschaftsinformatik studiert hat.

Nach dem Kurs ist vor dem Kurs

Auf dem Marktplatz können Kursanbieter:innen einen Account anlegen und zu einem Festpreis oder wiederkehrenden Abo-Tarif ihr Ticketing gestalten und Kurseinheiten sowie etwaige eigene E-Learning-Materialien ihren Teilnehmer:innen online zur Verfügung stellen. Auch Teilnahmebestätigungen oder Zertifikate können über das System ausgestellt werden. Historisch bedingt ist die Tendenz der Veranstalter:innen zu Präsenzformaten, obwohl sie ihre Kurse über courseticket auch online abhalten könnten. Ein Blick auf den Marktplatz macht deutlich, dass es an den Themen der Kurse liegt. Die meisten Seminare setzen nämlich eine Teilnahme vor Ort voraus – etwa bei einem Erste-Hilfe-Kurs, beim Babyschwimmen oder bei einem Kochkurs.

Ein zweiter Geschäftsbereich blüht auf

Aus den ersten Knospen des Marktplatzes entsprangen jedenfalls viele neue Kundenanfragen und daraus Ideen zu Weiterentwicklungen. „Wenn Kund:innen etwas brauchten, dann programmierten wir zusätzliche Funktionen oder erweiterten die Angebote“, sagt Alexander. Daraus ist 2016 ein weiterer Geschäftsbereich entstanden – die White Label Lösung. Unternehmer:innen können hier die Technologie von courseticket nutzen und ihren eigenen Marktplatz aufbauen. „Wir sind damit zu einem Technologiedienstleister geworden, der die Fundamente für eine Learning Experience Plattform zur Verfügung stellt.“

Mit dieser White Label Lösung erhalten beispielsweise Mitarbeiter:innen Zugang zu firmenspezifischen Schulungen, im Design und Stil des Unternehmens. Und nicht nur das: „Eine große USP von uns ist, dass wir eCommerce-Elemente mit der Welt der Learning Experience mischen. Denn die Lerneinheiten und Inhalte können die Unternehmen auch monetarisieren, indem sie die Angebote kostenpflichtig für firmenexterne Interessenten öffnen“, so Alexander. Große Kund:innen setzen bereits auf diese Lösung – das saudiarabische Justizministerium mit einer digitalen E-Learning- und Akkreditierungsplattform, die APA mit ihrem Campus oder die GLI, die gemeinnützige Lebensmittelinitiative für Österreich, baut ihr Bildungsnetzwerk darauf auf.

E-Learning-Anbieter können mit courceticke ihre Inhalte monetarisieren. (Foto courseticket)

Das Zielgruppen-Roulette

Die Erweiterung ihres Angebots brachte allerdings eine große Herausforderung mit sich – den stärkeren Fokus auf B2B. „Das ist eine große Aufgabe, klar zu vermitteln, dass wir sowohl Lernplattformen mit B2C-Fokus bereitstellen als auch maßgeschneiderte Buchungslösungen für B2B Anwendungen.“ Das Gute sei aber auch, dass Unternehmer:innen, die über den Marktplatz auf courseticket erste Kurse abhalten, oft für die White Label Lösung zu begeistern sind. „Als Anbieter:innen sehen sie, wie die Plattform funktioniert, und wir erzählen ihnen dann im persönlichen Austausch, dass es die White Label Lösung gibt und sie damit ihren eigenen B2C oder B2B Marktplatz schaffen können.“

Internationale Ausrichtung im Fokus

Die Serviceorientiertheit und die Adaptionsmöglichkeit sieht Alexander als entscheidenden Unterschied zu standardisierten digitalen Plattformen: „Bei großen „Software-as-a-Service“ Anbieter:innen bekommt man oft ewig keine Rückmeldung und meistens ist dann keine Customization möglich. Bei uns ist das nicht der Fall, wir bemühen uns um die Anliegen und etwaigen Individualisierungswünsche.“ Ein Credo, das sich bestimmt auch in Zukunft bewähren wird, wenn courseticket sich noch intensiver auf den Vertrieb im MENA-Raum (Mittlerer Osten und Nordafrika) und Deutschland fokussieren wird. Wie er sich das vorstellt, verrät er im Kurzinterview…

Gründer Alexander Schmid (Foto: courseticket)

Nachgefragt bei Alexander:

Neben dem operativen Arbeitsalltag in den beiden Geschäftsbereichen seid ihr auch bei vielen Initiativen dabei und sucht immer wieder neue Partnerschaften. Warum?

Ich sehe das so, dass wir neben einem motivierenden Austausch mit Gleichgesinnten vor allem durch Partnerschaften und gemeinsame Projekte wachsen können. In Saudi-Arabien haben wir zum Beispiel einen Partner, dessen Netzwerk Türen auf höchster Governmental und Corporate Entscheider:innen-Ebene öffnet. Das war ein absoluter Glücksgriff. Dort ergeben sich immer mehr Projekte, wie zuletzt auch mit der Wirtschaftskammer in Riad, wo wir eine zentrale Learning Experience Plattform für alle dort ansässigen KMU liefern dürfen.

Ihr nehmt an einer bundesweiten deutschen Bildungsinitiative INVITE des Bundesministeriums für Bildung & Forschung teil. Warum engagiert ihr euch in der Forschung?

Die gesamte Initiative ist für uns spannend, weil Player im EdTech Bereich, traditionelle Bildungsträger und renommierte Forschungseinrichtungen an einen Tisch kommen, um die deutsche digitale Bildungslandschaft zu harmonisieren. Wer hier dabei ist, ist am Puls der Zeit, was Bildungstechnologien, Bildungsangebote und Datenstandards von Morgen betrifft. Die Teilnahme war uns wichtig, weil es sich um ein internationales Meta-Vorhaben mit großer Vision handelt: Die Schaffung der Architektur einer nationalen Bildungsplattform. Ich denke, dass Innovation vor allem dann entsteht, wenn ein entsprechendes Ökosystem für einen gemeinsamen Austausch auf Augenhöhe existiert bzw. geschaffen wird. Ähnliche Initiativen in Österreich sind mir nicht bekannt.

Wie sieht die Projektarbeit hier konkret aus?

Wir arbeiten im Team mit zwei Projektpartnern aus Deutschland, der WBS Training AG, einem führenden Bildungsanbieter und mit der technischen Hochschule Schmalkalden. Es wird eine Open Source API entwickelt, also eine Schnittstelle, die starre Lernplattformen in lebendige selbstlernende Lernwelten transformieren soll. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Skills Alignment können Lernpfade und dadurch auch die Lernumgebung personalisiert werden.

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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