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Die faszinierende Metamorphose des DaVinciLab

So wie sich Technologien ständig weiterentwickeln, hat auch da Wiener Unternehmen DaVinciLab eine Metamorphose vom digitalen Maker-Space für Kinder zur Full-Service Agentur für digitale Bildungsformate entwickelt.  EdTech Austria hat sich bei Anna Gawin, Gründerin und CEO, die Etappen der Evolution des Labs angesehen.

Die Raupe (Gründung des Maker-Space)

Fressen und Erfahrungen sammeln. Das erste Stadium des Lebens ist dazu da, sich eine dicke Haut wachsen zu lassen. 2016 gründete das Ehepaar Anna und Peter Gawin den Maker-Space „DaVinciLab“, um einen Innovationsraum für Kinder zu schaffen, wo sie begleitet von Pädagog:innen und Innovations:expertinnen ihre kreativen Ideen in Apps, 3D-Drucke oder gar Roboter verwandeln können. Aber erstmal galt es auch für das junge Unternehmen sich am Markt zu etablieren. Das gelang – dank der zukunftsfitten Vision – recht schnell. Als „Universalgenie“, wie Anna den großen Denker nennt, war Leonardo Da Vinci nämlich nicht nur Namensgeber, sondern vor allem Vorbild für das Konzept des Labs: „Weil er von Mathematik bis hin zu Kunst alles beherrscht hat“. Denn beim Thema Coding und Programmieren geht es für Anna um das Gesamtkonzept. „Wir glauben nicht, dass die Zukunft den reinen Programmierer:innen gehört. Es geht um das gesamte Thema, mit allen Facetten – kritisches Denken, Kreativität und Kollaboration.“

Damit sich allerdings so ein junges Geschöpf erfolgreich entwickeln kann, muss es die notwendigen Nährstoffe aufnehmen. Die zog das Lab aus drei Teilgebieten, in denen die Angebote gegliedert sind und teilnehmende Kinder ihren Ideen mithilfe von Technologie eine Form geben können. Während im Coding Lab also Roboter gebaut, Games und Animationen erstellt werden, geht es im Design Lab um individuelle 3-D-Designentwürfe. Im Medialab wiederum lernen junge Macher:innen einen Green Screen (ein grüner Hintergrund bei Film- oder Fotoaufnahmen, der bei der Nachbearbeitung durch Effekte ersetzt werden kann) zu nutzen, Bilder zu bearbeiten und Storyboards (Filmszenen) zu gestalten.

Die Puppe (Stille Weiterentwicklung)

Wenn die Raupe dann tatsächlich alles findet, was sie braucht, wird sie immer dicker und obwohl man es nicht sieht, brodelt es gewaltig unter dem Panzer. Ganz klar – ein großer Wandel steht an. Das DaVinciLab nutzte die Covid-Pandemie, um diesen Entwicklungsschritt mit der Kreation neuer Lernformate zu meistern. Der stille Beginn einer Neuausrichtung. „Während der Pandemie haben wir neue Formate konzipiert, wie Live-Online-Kurse für Kinder und Jugendliche zu Themen wie App- und Game-Design mit persönlichen Coaches, die großartig zum Lernerfolg beigetragen haben“, so Anna.

Die größte Veränderung fand allerdings noch viel weitreichender statt und beruht auf Erfahrungswerten aus den früheren Lebensstadien: Neben den Kursen wird die Beratung im Bereich der digitalen Transformation immer intensiver, es entstehen individuelle Softwarelösungen für digitale Lernreisen und Lerncontent. Dabei wickelt das DaVinciLab nun auch die operativen Aspekte der Projekte ab.

Der Schmetterling (Full-Service Agentur)

Die dünne Schale zieren erste Risse, darunter bewegen sich die schönsten Farben. Zeit für die ersten zarten Flügelschläge. Die neuen Angebote, die das Innenleben des DaVinciLabs nachhaltig verändert haben, spiegeln sich eben auch im Auftritt wider. Kommuniziert wird mittlerweile hauptsächlich das Serviceangebot der Gestaltung von innovativen Software- und Innovationslösungen für die Bildungsbranche. Wie erfolgreich sie damit bereits durch die Luft wirbeln, zeigen Projekte wie “MINT Girls Challenge 2021” im Auftrag des Bundeskanzleramtes und des BMDW und der IV oder die Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit. Außerdem sind sie offizieller Partner von Microsoft in Education Global Training und entwickelten hierfür einen Kurs für die Nutzung von Microsoft Teams für Lehrpersonal. Vor allem der Lehrlingshackathon zeigt, was für eine gewaltige Transformation das DaVinciLab hinter sich hat. Dabei schließt sich für das Unternehmen selbst der Kreis zur ursprünglichen Vision von Universalität im Sinne Da Vincis.

Die Metamorphose am Format des Lehrlingshackathons

 Für den Lehrlingshackathon der Wirtschaftskammer entwarfen Anna und ihr Team als Agentur das Konzept, entwickelten die passende digitale Plattform und kreierten den Content. Lehrlinge aller Berufe können sich hier anmelden und erhalten Zugang zu interaktiven Online-Kursen und Onboarding-Seminaren, die sie auf den Hackathon (ein Event, bei dem unter Zeitdruck in Gruppen innovative Lösungen für Probleme erarbeitet werden) vorbereiten. Das Bestreben ist, junge Menschen – die noch nie zuvor programmiert haben – gut genug vorzubereiten, um beim Coding Day (am 9. November in Wien) innerhalb von acht Stunden eine eigene App entwickeln zu können. Mithilfe von simpler App-Software zaubern dann auch Lehrlinge ohne IT-Background aus ihren Ideen Prototypen. „Wir glauben, dass jeder Mensch an der digitalen Transformation teilhaben kann und soll. Damit junge Menschen nicht nur die Möglichkeit haben Prozesse zu vereinfachen, sondern zu Gestalter:innen der Zukunft werden.“

Anna und Peter Gawin gründeten das DaVinciLab mit ihren Töchtern im Hinterkopf, denen oft die technisch-innovativen Bildungsformate für ihre kreativen Ideen fehlten (Copyright: DaVinciLab).

Nachgefragt bei Anna Gawin:

Wie kann es gelingen, Kindern MINT schmackhaft zu machen?

Als Eltern von zwei Töchtern haben wir gesehen, wie wenig MINT-Förderung es bei Mädchen gibt. Generell ist es schade, dass gerade im Kindergarten und in der Volksschule nicht das natürliche Interesse an Technik und Forschung genutzt wird, um die Kinder in diese Richtung weiter zu bestärken. Unser Ansatz ist der Konstruktivismus und wir stellen das Lernen, wie es in Schulen passiert, auf den Kopf. Wir lassen zuerst Sachen entstehen und dann erst in der Reflexionsphase wird das kognitive Wissen gefestigt. Mit diesen „Building Blocks“, Diskussionen, dem Verstehen von Zusammenhängen und einem spielerischen Ansatz entsteht ein freudvolles Lernen.

Ist das auch die Schule der Zukunft?

Als wir das DaVinciLab gegründet haben, haben wir uns angeschaut, was sich überall auf der Welt in Sachen Bildung tut. Die neue Art des Lernens geht genau in die Richtung, die wir vermitteln: Das Lernen der Zukunft ist kollaborativ, es werden gemeinsam Lösungen für Probleme gesucht und am Weg dorthin entstehen spannende Entwicklungen und das notwendige Wissen sowie die Kompetenzen werden sich nach und nach angeeignet. Das Ganze soll natürlich von Pädagog:innen begleitet werden, die nicht über allem stehen, sondern Teil dieser Entdeckungsreise sind – weg von den allwissenden Prüfer:innen hin zu den Begleiter:innen, die selbst noch nicht alles wissen. Schon die ersten Schulen in der Menschheitsgeschichte waren Orte der Denker, die sich getroffen haben, um zu debattieren, tüfteln und forschen. Das war Schule.

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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