Schule, Hochschule

Lehrinhalte erlebbar machen mit Augmented Reality

Kinder und Jugendliche benutzen digitale Medien ganz selbstverständlich. Sie facetimen miteinander, legen lustige Filter auf Snapchat-Fotos und informieren sich mit YouTube über für sie relevante Dinge. Social Media und Internet-Anwendungen haben klassische Medien in der Nutzungsdauer und -intensität längst überholt.

Und in der Schule? „Klassische Schulbücher, Kreidetafeln oder sogar Overhead-Folien dominieren den Unterricht. Leider schaffen es viele Schulen nicht, sich an die Mediennutzung der Kinder anzupassen“, erzählt Arkadi Jeghiazaryan, Gründer von Areeka.

Vier digitale Revolutionen verändern die Welt

Arkadi möchte das ändern und die digitale Welt in die Schule bringen. „Wir befinden uns in der vierten digitalen Revolution, die unser Leben grundlegend verändert. Als erstes kam der PC. Als zweites das Internet, gefolgt vom Smartphone. Und die vierte Revolution ist Augmented Reality in Verbindung mit Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz.“ Mit Augmented Reality (erweiterte Realität, AR) lässt sich die eigene Welt computergestützt mit einer virtuellen Welt erweitern. Ein Beispiel: Areekas zweidimensionales Poster eines Skeletts zeigt mittels Smartphone alle Muskeln, Organe und Knochen. AR hilft in diesem Beispiel dabei, den menschlichen Körper zu veranschaulichen.

Lerninhalte besser verinnerlichen mit AR

Für Arkadi ist es naheliegend, die AR-Technologie auch in die Bildung zu bringen und hat daher Areeka gegründet. Areeka möchte Lerninhalte zum Leben erwecken. Gestartet wurde 2017 mit einem Pilotprojekt an zwei Schulen. In dem Projekt lernte eine Gruppe mit AR-Anwendungen, sie konnten das Gelernte visualisieren und erleben. Die andere Gruppe lernte rein mit dem Schulbuch. Dieser Test ergab: Die Schüler:innen, die mit AR lernten, konnten sich die Inhalte viel besser merken!

Lasst die Dinos, Ritter und Ägypter los!

Areeka bringt mit seinen AR-Visualisierung Abwechslung ins Lernen. Mittlerweile hat das Unternehmen viele Produkte entwickelt und Kooperationen mit Schulbuchverlagen abgeschlossen. So können Schüler:innen mit ihrem Smartphone in die Welt der Ägypter eintauchen oder Dinosaurier über den Schreibtisch laufen lassen. Organe lassen sich von allen Seiten anschauen und spannende Ritterkämpfe mit eigenen Augen erlebt werden.

Mit AR-Studios eigene virtuelle Welten erstellen

Die Möglichkeiten mit AR sind (fast) unbegrenzt. Um die AR-Welt in der Schule noch auszuweiten, hat Areeka das Areeka-Studio entwickelt. Dort können Schüler:innen, Lehrer:innen und alle Interessierten kostenfrei eigene 3D-Welten kreieren und sie mittels AR visualisieren. „Sie können beispielsweise eine Hexe auf einem Harry Potter-Plakat augmentieren, sodass sie mit dem Besen im Raum herumfliegt“, erklärt Arkadi. Vorkenntnisse sind keine vonnöten, die Gestaltung geht einfach und schnell. Lehrer:innen können so eigene Lehrinhalte mit AR aufwerten und Schülerinnen sich an der 3D-Modellierung ausprobieren. Ein Riesenspaß für alle ist garantiert!

AR ist natürlich nicht nur auf Schulen begrenzt. AR wertet jegliches Lernen auf, von der Schule bis zur Erwachsenenbildung. Auch der Facultas-Verlag, der viele Bücher für Hochschulen verlegt, hat bereits an die Tür von Areeka geklopft. Doch die Konzentration liegt weiterhin bei den Schulen. „Wir haben einige Kooperationen, zum Beispiel mit der Pädagogischen Hochschule in Wien, um Lehrmittel zu augmentieren. AR ist also definitiv in der Schule angekommen.“


In die Welt des Mittelalters eintauchen mit dem Themenheft Ritter und Burgen. (Foto: Areeka)

 

Nachgefragt bei Arkadi Jeghiazayan

Wann habt ihr mit Areeka gestartet?

Ich habe gemeinsam mit meinem Bruder 2016 Amlogy gegründet, 2017 ist daraus die Marke Areeka für den Bildungsbereich entstanden. Wir waren ein ganz kleines Unternehmen, ohne Geld oder jegliche Förderungen. Wir wollten Augmented Reality in die Bildung bringen und sehen, ob das funktioniert. Vor vier Jahren war AR aber vielen noch kein Begriff. Man hat es als Spielerei abgetan. Das hat sich mittlerweile geändert. Wir haben mit einem Themenheft „Licht und Wasser“ begonnen, da wir ja noch keine Kooperationen mit Verlagen hatten. Dieses Heft war nach wenigen Stunden ausverkauft (zugegeben, die erste Auflage waren nur 30 Stück). Da wussten wir, dass wir am richtigen Weg sind.

Was war euer Antrieb, Areeka zu gründen?

Ich kam als Kind als Flüchtling nach Österreich und habe die Bildung aus einer anderen Perspektive erlebt. Nämlich jene, wenn man das, was die Lehrer:innen oder die Bücher vermitteln wollen, nicht versteht. Mein Bruder und ich hätten uns andere Lehrmethoden gewünscht, die uns die Lehrinhalte visualisieren. AR kann jeder verstehen und anwenden. Da kam uns die Idee zu Areeka.

Wie schafft ihr es, Kooperationen mit Schulen und Verlagen zu bekommen?

Wir sind immer schon den klassischen Vertriebsweg gegangen. Wir stellen Areeka in Schulen und Klassen vor und wenn sie das nützen möchten, kaufen sie unsere Produkte. Wir sind nie zum Beispiel über das Bildungsministerium gegangen, das hätte zu lange gedauert. Da wir gänzlich ein Bootstrapping-Startup (Anm. der Redaktion: ohne Fremdkapital finanziert, mehr Infos siehe Link) sind, mussten wir Geld verdienen. Daher sind wir den direkten Weg gegangen. Gott sei Dank hat das gut funktioniert. Aktuell arbeiten wir viel mit Influencer:innen im Pädagogik-Bereich zusammen, um Areeka bekannter zu machen.

Natürlich suchen wir auch die Zusammenarbeit mit den Schulbuchverlagen. Wir machen es ihnen einfach und bieten ihnen zu geringen Kosten an, die Schulbücher zu augmentieren. Viele Schulbücher haben das noch gar nicht und das finde ich fatal. Kinder wachsen mit digitalen Medien auf und nutzen das ganz selbstverständlich. Schulbuchverlage schaffen es leider nicht, Kindern das zu bieten, was sie eigentlich haben wollen. Das tut mir im Herzen weh. Deswegen gehen wir mit Schulbüchern in eine sehr offene Strategie. Wir arbeiten unter anderem mit dem Bildungsverlag Lemberger zusammen, er hat im Bereich AR eine Vorreiterrolle und ist sehr aktiv.

Was ist deine Vision für die Bildungslandschaft in Österreich?

Veränderung, in welcher Richtung auch immer. Das würde uns guttun, wenn es einmal eine Veränderung im Schulsystem gibt. Ich wünsche mir, dass alle Schülerinnen und Schüler Schule als Ort betrachten, an dem man gerne ist. Kinder werden in ihrer Neugier und ihrem Erlebnisdrang im Kindergarten und in der Schule gestoppt. Sie werden in Schemata gesteckt. Wenn sie dieses Schema nicht erfüllen, wird es schwierig. Und genau diese Veränderung braucht es. Die Kinder sind nur gerne in der Schule, wenn die Bildung es zulässt und sie ihre Neugier und ihren Erlebnisdrang, zum Beispiel auch auf neue Technologien, ausleben lässt.

Die Veränderung ist dabei nicht nur technischer Natur. Wir müssen zum Beispiel auch viel mehr Zeit dafür verwenden, die Pädagog:innen zu unterstützen. Mit dreißig Kindern in einer Klasse, können sie sich nicht um jede und jeden so kümmern, wie sie es vielleicht brauchen würden. Wie kann man den Beruf wieder attraktiver gestalten? Wenn man an diesen Schrauben dreht, kann man schon viel verbessern.

Was sind deine Erwartungen an EdTech Autria?

EdTech Austria braucht es unbedingt. Alle EdTechs in Österreich kennen sich untereinander und tauschen sich aus. Es gibt aber keine Anlaufstelle, die dieses gesammelte Know-how bündelt und zeigt, dass Gründungen von erfolgreichen EdTechs auch in Österreich möglich sind. EdTech in Österreich kann auch wirtschaftlich sein, man kann damit Geld verdienen. Da braucht man ein Sprachrohr, das unsere EdTech-Blase ein wenig ausweitet und an die Öffentlichkeit bringt. Im besten Fall kommt es dadurch zu mehr Gründungen von EdTechs in Österreich.

Im Kommunikationsteam vom ITG – Innovationsservice für Salzburg holt Maria innovative, digitale Unternehmen und Geschäftsmodelle vor den Vorhang. Sie ist überzeugt, dass EdTech unser Bildungssystem besser macht und freut sich, bei der Integration von EdTech in unsere Bildungslandschaft mithelfen zu können.

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