4. Juli 2022, Schule

MatheArena: Nie wieder Probleme mit Mathe

Sie fühlen sich zu blöd für Mathe. Oder sie haben zu viel Angst davor im Unterricht nachzufragen, weil sich dann jemand über sie lustig machen könnte. Diese Gründe hört Gerald Infanger immer wieder, wenn er jungen Menschen Nachhilfe gibt. Dabei wären viele seiner Schüler:innen dem Fach gewachsen. Mit seiner App MatheArena ist dem studierten Mathematiker und Theologen sowie seiner Frau – Eva-Maria Infanger (auch Mathematikerin und Theologin) gelungen, das Verstehen in den Fokus zu stellen.

Ohne Druck, dafür mit lockerer Sprache

„Es macht mir wirklich Spaß, sie vom Gegenteil zu überzeugen“, sagt Gerald. Denn meistens liegt der Mathe-Schwäche ein geringes Selbstbewusstsein zugrunde. Ein Problem, das leider allzu oft gesellschaftlich verankert ist: Seinen Beobachtungen nach, betrifft das tendenziell auch mehr Mädchen als Burschen. Mit der MatheArena haben Lernende jedenfalls die Möglichkeit, in den Minigames und Aufgaben zu erkennen, dass sie besser sind, als sie dachten. „Wir wollten eine App, die ganz ohne Druck auskommt. Damit auch die soziale Angst in der Mathematik reduziert wird und die Motivation steigt.“

Die erste Version entstand 2015, nachdem das Paar ihre ersten Ideen in eine App gießen wollten. Ein Freund half bei der Programmierung, mittlerweile setzen sie auf ein Entwicklerteam und Kooperationen mit Forschungsinstituten für regelmäßige Software-Weiterentwicklungen. Ein wichtiger Punkt war es – trotz all der Gamifizierung – den ernsten Charakter der Mathematik aufrechtzuerhalten. Der wird durch eine schülernahe Sprache für die Lernenden einfacher als im klassischen Mathematik-Unterricht vermittelt.

Das Spiralprinzip: Erst leicht, dann schwer

Derzeit beinhaltet die App, die bereits 45.000-mal heruntergeladen wurde (Stand 13.6.22), 1.500 Fragen aus 20 Themen für die Oberstufe. Die sind wiederum in Kapitel wie Statistik, Differentialrechnung oder Funktionen eingeteilt – ganz unbürokratisch und ohne dabei in Schulstufen zu „schubladisieren“, wie Gerald erklärt. Vielmehr geht es bei dem eingesetzten „Spiralprinzip“ darum, ein Wissensfundament aufzubauen. Ein Algorithmus analysiert den Lernprozess und stellt nach dem Grundlagenwissen aufbauende Übungen oder noch ein paar leichtere Fragen. Auch Feedbacks können von den Lernenden direkt in der App angefragt werden, falls sie eine Aufgabe nicht verstanden haben.

Das Gründerteam reagiert nun aber auch auf die Struktur der Schulen und Zentralmatura: Eine Version für schulstufenspezifische Übungen ist derzeit in Entwicklung. Trotzdem – das Spiralprinzip soll weiter bestehen. Die aktuelle App deckt jedenfalls auch jetzt schon alle relevanten Themen für die Maturavorbereitungen ab. Fragen werden im Multiple-Choice Format gestellt – eine Entscheidung, die gut überlegt war. „Multiple oder Single Choice Fragen müssen gut gestellt sein, dann zielen sie direkt auf das Verständnis ab“, sagt Gerald.

Von leicht bis schwer: Mit MatheArena bauen die Lernenden ein fundiertes Mathematik-Wissen auf. (Foto: MatheArena)

Im Unterricht selbstständig üben

Anklang findet die MatheArena auch bei den Lehrer:innen. Im Unterricht setzen sie die App am besten ein, wenn Lernende die Möglichkeit haben, selbst zu üben. Denn: „Auch wenn 30 Leute gleichzeitig damit lernen, bekommen sie immer wieder unterschiedliche Fragen, weil sich der Algorithmus anpasst“. Das heißt, ein Abschauen bei den Sitznachbar:innen ist nicht möglich. Die Minigames und 300 der Übungen sind gratis, danach kostet die Nutzung der gesamten App 25 Euro im Jahr oder acht Euro pro Monat. „Unser Ziel ist aber, dass wir uns in Zukunft über die Schulbuchaktion finanzieren, wenn hier hoffentlich bald Apps inkludiert sind. Wir wollen nämlich für Schüler:innen kostenlos sein“, so der Gründer.

Ein neues Projekt, das dabei helfen könnte, sind Kooperationen mit Firmen: Aktuell bietet MatheArena Unternehmen, die dem Techniker:innenmangel in ihren Regionen entgegenwirken wollen, die Möglichkeit, Lizenzen für die Premiumversion an Schulen zu finanzieren. Im Gegenzug werden Logos oder andere Werbungen der Firmen in der App platziert. „Das ist eine nachhaltige Möglichkeit Digitalisierung an Schulen und eine positive Entwicklung für Schüler:innen zu unterstützen“, sagt Gerald. Bei Interesse können sich Unternehmer:innen unter https://www.mathearena.com/business/ melden.

Gründer:innen Eva-Maria und Gerald Infanger. (Foto: MatheArena)

Nachgefragt bei Gerald

Wie schaffen es die Nutzer:innen eurer App in Mathematik nachhaltig erfolgreich zu sein?

Lernen ist mit Emotionen verbunden. Natürlich ist es auch mit MatheArena am Anfang nicht leicht alles zu lernen. Aber nach einer kurzen Weile bekommt man durch kleine Erfolge in den Minigames oder Übungen positive Emotionen und verbindet das mit dem gelernten Stoff. Das ist dann auch viel besser eingespeichert. Das kennt man ja auch von sich selbst: wenn ich etwas nicht verstehe, dann weiß ich es fünf Tage später nicht mehr.

Wie habt ihr die Covid-Pandemie erlebt?

Das war für uns eigentlich ein Booster. Denn wir haben davor damit gerechnet, dass wir im Jahr 2024 oder 2025 auf den Markt gehen können. Weil wir ab dann erst mit einer allgemeinen und durchgehenden Digitalisierung an Schulen gerechnet haben. Aber ja, dann kam Corona und die Schulen mussten schneller auf digitalen Unterricht umstellen als gedacht. Und wir haben schneller alles auf den Go-Live unserer App gesetzt.

Wie geht es mit MatheArena weiter?

Zurzeit freuen wir uns, direkt bei der 1. Verleihung des Gütesiegels für Lern-Apps durch das Wissenschaftsministerium (BMBWF) ausgezeichnet zu werden. Hier wurde unsere App von Schüler:innen und Lehrer:innen als hilfreiches und abwechslungsreiches Lern-Tool beschrieben, das auch noch Spaß macht und das Handy als Lernmedium aufwertet. Und natürlich gibt es bei uns so einige Projekte und Pläne in der Pipeline. Einerseits werden wir ab nächstem Jahr die Mathematikschulbücher für die Unterstufe des Veritas Verlag begleiten. Außerdem erweitern wir gerade die Minigames. Und unser langfristiger Plan ist global tätig zu werden – beispielsweise mit einer englischsprachigen Version, um weiter in die Breite zu gehen.

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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