6. Oktober 2022, Schule

Ready for Red: Die Lernplattform gegen spießige Menstruationsaufklärung

Die erdbeerwoche – das klingt doch eigentlich richtig süß. Allerdings kann die auch ganz schön bitter sein. Immerhin muss sich jede Frau zwangsläufig (und meistens mehr als ein halbes Leben lang) damit beschäftigen. Die Rede ist natürlich von der Periode. Auch Ready for Red sagt eigentlich schon alles: bereit sein für die roten Tage. Es geht dabei um eine digitale Lernplattform der erdbeerwoche, die Schüler:innen eine einfache und unaufgeregte Aufklärung rund um die Menstruation ermöglicht.

Als erstes österreichisches Social Business zum Thema Menstruation und nachhaltige Periodenprodukte entstand 2011 die erdbeerwoche, erzählt Gründerin Bettina Steinbrugger. Allerdings mit einem Wermutstropfen: dem Peinlichkeitsfaktor bei heranwachsenden Mädchen und Burschen. Nur die wenigsten trauten sich themenbezogene Social-Media-Beiträge zu liken oder genauer nachzufragen. Möglicherweise auch wegen der altmodischen und steifen Aufklärung an Schulen? „Ich kann mich noch an die Hormonkurven im Biologiebuch erinnern, die mich eher an die Sinuskurve in Mathe erinnert hat. Und weniger daran, dass das irgendetwas mit meinem Körper zu tun hat.“

Foto: erdbeerwoche

Wie viel Blut verliert man während der Periode?

Somit war klar – es braucht eine zeitgemäße Lernplattform für Schulen. „Dann haben wir Ready für Red entwickelt, damit Schülerinnen und Schüler durch lustige Videos oder Spiele die weiblichen Geschlechtsorgane und den Zyklus kennenlernen. Ganz locker und unkompliziert. Und sie erfahren auch, welche nachhaltigen Hygieneartikel es gibt oder was bei Schmerzen hilft“, so die Gründerin. Die Inhalte sind modular aufgebaut, wodurch Lehrer:innen individuelle Unterrichtseinheiten für ihre Klassen zusammenstellen können.

Ready for Red besteht derzeit aus über 70 digitalen Tools, darunter Spiele und Quiz wie zum Beispiel die „Dos and Don’ts bei Regelschmerzen“ oder das „Menstru-Activity“, zahlreiche Videos – beispielsweise ein sympathischer Erfahrungsbericht einer jungen Influencerin, die über ihre Endometriose spricht – sowie animierte Stories oder Übungen. Viel Content also, der oft mit einem leichten Augenzwinkern für lockere Stimmung im Klassenzimmer sorgt: Etwa mit zwei Videos über junge Männer, die erraten müssen, wie viele Periodenprodukte Frauen im Jahr brauchen oder wie viel Blut sie durchschnittlich im Monat verlieren. (Neugierig? Zur Auflösung geht es hier und hier!)

Selbstständiges und individuelles Lernen

Die Nutzung ist so simpel wie möglich: Durch die (kostenlose) Registrierung auf der Ready for Red-Website erhalten Pädagog:innen einen Zugangscode für jede Klasse, mit dem die Schüler:innen auf allen Geräten die Lektionen selbstständig erarbeiten. Die Fortschritte ihrer Klassen sind für Lehrer:innen dann einsehbar und sie können dahingehend entscheiden, welchen Stoff sie noch einmal gemeinsam im Unterricht durchgehen wollen. Das Programm zeigt weiters – passend zu den jeweiligen Voraussetzungen wie Alter und Wissensstand der Schüler:innen oder vorhandene Zeit – die idealen Einheiten an. Nach der Registrierung erhalten Schulen zusätzlich eine Ready for Red-Box mit Periodenprodukten wie Slipeinlagen, Binden, Tampons, Periodenunterwäsche oder Periodentasse.

Bye-bye Peinlichkeit: Anonym fragt es sich leichter

Zurück zum Ursprungsproblem. Denn entstanden ist Ready for Red ja aus dem Bedarf nach einer niederschwelligen Aufklärungsplattform für Teenies. Damit sie trotz der Scham und Peinlichkeit ihre Antworten bekommen und sich das Tabu um die Periode langsam auflöst. Die Idee: „Auf unserer Plattform, können sie einfach anonym nachfragen“, sagt Bettina. Und siehe da: Das Interesse ist groß. „Über diesen Weg erreichen uns viele Nachrichten von den Schüler:innen und auch die Pädagog:innen sind zufrieden, wie sich das in der Praxis bewährt.“ Diese Anliegen werden von Bettina und ihrem Team an die zuständigen Lehrer:innen weitergeleitet, die dann wiederum mit den Schüler:innen der jeweiligen Klasse darüber sprechen. Damit sollten auch wirklich alle bereit sein, für die „Erdbeerwoche“.

Bettina Steinbrugger, Gründerin der erdbeerwoche (Foto: erdbeerwoche)

Nachgefragt bei Bettina:

Sind jüngere Frauen mehr an nachhaltigen Produkten interessiert?

Ja, auf alle Fälle. Die Wahl der Monatshygiene ist unserer Erfahrung nach definitiv eine Frage des Alters. Bei den 15–16-Jährigen steigt zum Beispiel das Interesse an einer Menstruationstasse, während Mädchen im Alter von 10 – 11 die Periodenunterwäsche bevorzugen. Da gibt es jetzt natürlich viel mehr Auswahl als früher.

Wie finanziert ihr Ready for Red?

Das geht über die Ready for Red-Box. Darin finden sich Periodenprodukte von unterschiedlichen Produzenten, die uns einen finanziellen Beitrag zahlen, auch, dass sie damit auf ihrer eigenen Website werben dürfen. Unsere Website und Inhalte bleiben aber werbefrei. Das ist uns sehr wichtig. Bei der Entwicklung haben wir beispielsweise Förderungen von AWS und Stadt Wien erhalten.

Ihr habt so viel positives Feedback erhalten, gab es eigentlich auch negatives?

Ja, da gibt es ab und zu ein lustiges Hoppala aus den Schulen. Unsere Website schafft es manchmal nicht durch den IT-Kinderschutz. Einfach, weil Begriffe wie Vagina oder Sex vorkommen. Da können wir nur helfen, indem wir an die Schulen appellieren, unsere Seite freizuschalten. (lacht)

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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