Schule, Hochschule, berufliche Aus- und Weiterbildung, Lebenslanges Lernen

Spielerisch Sprachen lernen

Sprachen lernen – in meiner Schulzeit hieß das mühsames Vokabellernen und Grammatikübungen. Dass das Erlernen einer neuen Sprache auch anders geht, zeigt uns das Wiener EdTech Unternehmen Vision Education.

Mit der App LearnMatch werden Vokabeln im Vorbeigehen gelernt. Im Vordergrund steht nämlich spielerische Interaktion. Im Wettbewerb mit anderen wird man außerdem vom Ehrgeiz gepackt. Denn Nutzer:innen können sich gegenseitig matchen. Wer mehr Vokabel innerhalb von zwei Halbzeiten richtig zuordnen kann, gewinnt. Ein Selbsttest zeigt: Meine Französischkenntnisse aus der Schule konnte ich mit der App schnell wieder abrufen (=Lernerfolg!). Aber vor allem hat die App Suchtpotenzial. Sich mit anderen zu matchen, macht Spaß und verschiedene Lernelemente, wie das Ordnen einzelner Silben zu einem Wort oder das Zuordnen des richtigen deutschen Wortes zu seinem französischen Äquivalent, bringen Abwechslung in das Lernen.

Sprachtrainings für Pflegeberufe, Baubranche und Models

LearnMatch richtet sich an Kinder und Erwachsene, die eine Sprache lernen wollen. Für Unternehmen bietet Vision Education mit „Learnmatch Business“ Lösungen an. Für verschiedene Branchen – wie Pflegeberufe, Gebäudereinigung und Bau – werden in der Berufe-App Kurse angeboten, die die branchenspezifischen Vokabeln mit einbeziehen. Der Bedarf an solchen Angeboten ist groß, denn es gibt viele Branchen mit einem großteils fremdsprachigen Personal, wie die 24-Stunden Pflege oder die Gebäudereinigung, und einem sehr spezifischen Wortschatz. Die Gebäudereinigungs-Innung und auch die Bau-Innung sowie ca. ein Dutzend Kunden aus dem Pflegebereich zählen bereits beim Mitarbeiter:innentraining auf „LearnMatch Business“ – oder phase6 Berufe, wie die App im deutschsprachigen Raum heißt.

Didaktik meets Spiel & Spaß

Die ursprüngliche didaktische Basis der App kommt nämlich von phase6, der Schwestergesellschaft in Deutschland und führender deutscher Vokabeltrainer im schulischen Bereich. Phase6 baut auf lernpsychologische Erkenntnisse und didaktisch etablierte Methoden, darunter auch das systematische Wiederholen von Vokabeln. Weniger gut beherrschte Vokabeln werden öfter vorgelegt, um das Lernergebnis zu verbessern. Vision Education verknüpft so wissenschaftliche Erkenntnisse mit spielerischem Lernen und Interaktion.

 

Nachgefragt bei Alfred Hofer

Der Geschäftsführer stand uns zu „LearnMatch“, der EdTech-Szene in Österreich und zur Bildungslandschaft in Österreich Frage und Antwort.

Wie siehst du den Start von Edtech Austria?

Das ist ein guter Schritt und eigentlich auch wirklich an der Zeit. Ich kenne die englische Startup- und EdTech-Infrastruktur für einen Österreicher einigermaßen gut – wir sind ja auch im Sommer 2020 beim EdTechX Global Award in London unter die Top5 Startups gewählt worden. UK ist dahingehend beneidenswert, besonders was die Finanzierungsmöglichkeiten, die globale Ausrichtung und die gesamten Rahmenbedingungen von EdTech Unternehmen betrifft. Das hat schon eine enorme Vorbildwirkung in der Branche, würde ich sagen.

Der EdTech-Bereich hat sich in Österreich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Es gibt tolle Firmen, Angebote und Initiativen. Es gibt wirklich gute und extrem engagierte Teams bei uns, die teilweise mit ihren Unternehmen in Segmenten weit über Österreich hinaus marktführend sind. EdTech Austria wird die momentane dynamische Entwicklung der Branche sehr gut verstärken und unterstützen. E-Learning ist ja auch im Moment ein sehr oft gebrauchtes Schlüsselwort – in Zeiten wie diesen.

Was braucht es, damit sich die EdTech-Branche in Österreich gut entwickeln kann?

Es braucht bessere rechtliche Rahmenbedingungen für Startups und natürlich idealerweise auch leichteren Zugang zu alternativen Finanzierungsformen oder generell zu Risikokapital. Wenige EdTechs sind profitabel und natürlich vom Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten entsprechend abhängig. Bei großen Investmentsummen ist man leider nach wie vor großteils von ausländischen Investoren abhängig, auch wenn sich diesbezüglich die Situation in den letzten Jahren massiv verbessert hat.
Das ist aber nicht EdTech-spezifisch, das gilt für alle Startups. Für unseren Bereich wünsche ich mir das öffentliche Bewusstsein, dass E-Learning nicht mehr weggehen wird. „It is here to stay“. Corona hat diesem Bewusstsein schon einen wesentlichen Push gegeben und es auf eine neue Stufe gehoben. Home Office und E-Learning werden in der Zukunft selbstverständlich werden und einen ganz anderen Stellenwert einnehmen.

Was ist deine Vision für die Bildungslandschaft in Österreich?

Dass das digitale Lernen nicht mehr wegzudenken ist. Die Verankerung des E-Learnings auch im schulischen Bereich ist nun wichtig. Das Bildungswesen kommt meist leider mit der Geschwindigkeit, in der sich diese Technologien weiterentwickeln, nicht ganz mit. Aber grundsätzlich sollte das österreichische Bildungssystem ohne E-Learning mittelfristig nicht vorstellbar sein.
Die Eigenverantwortlichkeit der Kinder und der Lehrer muss weiter gestärkt werden und der Gestaltungsspielraum erweitert – sich selbst zu organisieren, sich den Tag einzuteilen, wann und wo ich lerne und dass ich selbst verantwortlich bin für meine eigenen Lernergebnisse. Nur so kann Eigeninitiative funktionieren. Das sind auch wesentliche „Fertigkeiten“ für die spätere Berufsausübung, die bisher noch etwas vernachlässigt wurden. Auch das spielerische Element sollte weiterhin eine große Motivationsrolle spielen.

Im Kommunikationsteam vom ITG – Innovationsservice für Salzburg holt Maria innovative, digitale Unternehmen und Geschäftsmodelle vor den Vorhang. Sie ist überzeugt, dass EdTech unser Bildungssystem besser macht und freut sich, bei der Integration von EdTech in unsere Bildungslandschaft mithelfen zu können.

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