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EdTech Aufschwung setzt sich auch 2021 fort

Corona beschleunigt die österreichische EdTech-Industrie: Bereits seit vielen Jahren gewinnt das Thema der digitalen Bildung sowohl im Schul- als auch im Arbeitskontext an Bedeutung. Bisher lag der Fokus jedoch oftmals auf Individualprojekten, die von einzelnen, engagierten Verantwortlichen vorangetrieben wurden. Die Corona-Pandemie hat dies verändert. Standardisierte Lösungen und Plattformen sind nun gefragt und im täglichen Betrieb angekommen. Schulen und auch Arbeitgeber mussten sich radikal umstellen. Natürlich wird es auch eine Zeit „nach Corona“ geben, allerdings stehen die Zeichen gut, dass der EdTech Sektor auch nach einer Rückkehr zur „Normalität“ weiter an Bedeutung gewinnen wird.  Österreichische EdTechs blicken optimistisch in die Zukunft und erwarten ein weiteres rasantes Wachstum im heurigen Jahr. 

Erste Erhebung zu EdTech in Österreich 

Als EdTech Austria wollten wir uns zu Beginn natürlich einen Überblick über das Ökosystem verschaffen und haben hierzu die rund 100 österreichischen EdTechs genauer unter die Lupe genommen. Rund ein Drittel der Unternehmen wurde außerdem im Rahmen einer kurzen Umfrage befragt. Neben generellen Daten zur Marktgröße wurden unter anderem auch Informationen zu den Zielgruppen, dem Reifegrad der Unternehmen und den Wachstumserwartungen erhoben. 

Im Vergleich zu den größten und aktivsten europäischen EdTech Märkten, Großbritannien und Frankreich, ist das Thema in Österreich noch weniger weit fortgeschritten. Rund 100 österreichische EdTechs beschäftigen derzeit etwa 2000 Angestellte und kommen auf einen Umsatz von 120 Millionen Euro pro JahrWenn man hier nun nach Großbritannien blickt, sind dort derzeit knapp 600 EdTech Unternehmen aktiv, die jährlich fast 4 Milliarden Euro umsetzen. 

Der Markt wächst jedoch hierzulande stark. Das bestätigen nicht nur aktuelle Erfolgsgeschichten, wie zum Beispiel die kürzlich bekanntgegeben 70 Millionen Euro Finanzierungsrunde von GoStudent, die auch international für Schlagzeilen gesorgt hat, sondern auch die abgefragten Wachstumserwartungen der österreichischen EdTechs für das Jahr 2021. 

Die österreichischen EdTechs in der Startup- und Wachstumsphase erwarten für das heurige Jahr ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 175 Prozent (dies ist als Eigenangabe aber natürlich auch mit Vorsicht zu betrachten und ist jeweils ausgehend vom aktuellen Umsatzlevel einzuordnen). Natürlich sind die Wachstumserwartungen bereits etablierter Unternehmen zurückhaltender. Ein genauer Blick auf die Aufteilung österreichischer EdTech Unternehmen je nach Reifegrad zeigt jedoch, dass gerade der Anteil an Unternehmen, die sich aktuell in der Startup- oder Wachstumsphase befinden, besonders hoch ist. 

Diese Zahlen sind ein weiteres positives Signal für die Entwicklung des gesamten Marktes. Die Gründungsaktivitäten mit EdTech Bezug haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Knapp die Hälfte der österreichischen EdTech Unternehmen wurden in den Jahren seit 2017 gegründet. 

Fokus liegt weiterhin auf dem Schulbereich 

Bei einer genauen Betrachtung des EdTech Marktes darf natürlich auch ein Blick auf die Zielgruppen nicht fehlen. Hier zeigt sich, dass in Österreich der Fokus weiterhin auf dem Schulbereich liegt. Immerhin bieten 34 Prozent eine digitale Lösung für Schulen an. Den zweiten Platz teilen sich Angebote für Hochschulen bzw. Universitäten und das lebenslange Lernen. Es muss jedoch festgehalten werden, dass vor allem der Hochschulbereich hierzulande von wenigen Unternehmen explizit adressiert wird. Viele EdTechs bieten jedoch zielgruppenübergreifende Lösungen an und sind daher auch diesem Markt zuzurechnen. Digitale Lösungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung folgen nur knapp dahinter auf dem vierten Platz. Dieser Markt wird vor allem von vielen langgedienten E-Learning Anbietern bedient. Ein wachsender Fokus auf Mobile Learning Lösungen und die zunehmende Digitalisierung des Onboardings sowie Schulungen im Vertrieb sorgen aber auch hier für neue Akteure, die mit innovativen Lösungen auf den Markt drängen. 

Die folgende Übersicht gewährt nochmals einen konsolidierten Überblick über alle österreichischen EdTechs, welche für die vorliegende Analyse detaillierter unter die Lupe genommen wurden.

 

Digitale Bildung ist nicht mehr nur ein Add-on 

Nachdem das herausfordernde letzte Jahr also zumindest dem EdTech Markt weltweit und auch jenem in Österreich einen großen Schub nach vorne gebracht hat, stehen die Zeichen auch für das aktuelle Jahr auf Wachstum. Digitale Bildung und damit auch EdTech werden nun zunehmend von Bildungseinrichtungen und auch Arbeitgebern nicht mehr nur als „nice to have“ gesehen, sondern als Notwendigkeit für erfolgreiches Lernen sowie gelingende Aus- und Weiterbildung anerkannt. Neuartige und innovative Lösungen werden auch in diesem Jahr entstehen. Bei etablierten Lösungen, welche pandemiebedingt oftmals in kürzester Zeit eingeführt werden mussten, wird sich der Fokus der Wortneuschöpfung EdTech vom Technologie- auf den Bildungsaspekt verschieben und pädagogisch-didaktische Faktoren stärker in den Mittelpunkt rücken. 

 

(Fotos: EdTech Austria)

Hannes Aichmayr, Portrait, 29.1.2021

Hannes ist Projektleiter von EdTech Austria. Als Lehrkraft hat er selbst hautnah erlebt, wie positiv sich der Einsatz neuer Medien im Unterricht auf den Lernerfolg der Kinder auswirken kann. In seiner Rolle möchte er nun den Einsatz von EdTech Lösungen im Bildungs-, Aus- und Weiterbildungsbereich in ganz Österreich voranbringen.

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