SURFjobs bringt Berufsorientierung im Kurzvideo-Format
Wer beim Namen SURFjobs an Wellen denkt, liegt weit daneben. Wenn hier gesurft wird, dann auf einer digitalen Erfolgswelle. Denn das oberösterreichische EdTech-Unternehmen will nichts Geringeres, als die Berufsorientierung dorthin zu bringen, wo Jugendliche heute unterwegs sind: aufs Smartphone. Das Startup ist das erste EdTech aus dem EdTech Austria Fellowship 2025, das wir näher vorstellen. Es zeigt eindrucksvoll, wie Coaching und Peer Learning Bildungstechnologie voranbringen.

Jugendliche brauchen Orientierung und Unternehmen eine Plattform, um neue Talente zu finden. Aus diesen drängenden, zeitgemäßen Anforderungen ist 2024 SURFjobs entstanden. Denn während eines Projekts an der Johannes-Kepler-Universität Linz stellten die Gründer Florian Grlinger, Robert Hartl, Emin Vojnikovic und Elias Ramoser fest, dass die schulische Berufsorientierung seit Jahrzehnten stagniert. Innovative digitale Lösungen, die dem Medienverhalten junger Menschen entsprechen, fehlten bislang – insbesondere visuelle, niedrigschwellige Formate, die direkt mobil verfügbar sind. Also gründeten sie ein EdTech-Unternehmen, um Berufsorientierung im „TikTok“-Style zeitgemäß weiterzudenken.
„Junge Menschen informieren sich heute vorrangig über Social Media, Videos und interaktive Formate. Klassische Informationsbroschüren oder statische Webseiten spielen oft nur eine Nebenrolle“, sagt Florian Girlinger. Gleichzeitig ist die Entscheidung für einen Lehrberuf oder eine weiterführende Schule eine der ersten großen Weichenstellungen im Leben. Digitale Berufsorientierung muss daher visuell, personalisiert und regional relevant sein. Genau hier setzt SURFjobs an.
Vom Fellowship zum innovativen EdTech
Durch das Fellowship kamen die Gründer:innen überhaupt erst zu dem Entschluss, SURFjobs als EdTech weiterzuentwickeln. „Es hat uns maßgeblich geholfen, das Geschäftsmodell so zu schärfen, dass wir maximal skalieren können“, so Florian. Das Fellowship markierte damit einen entscheidenden Wendepunkt: „Wir haben festgestellt, wo wir hinwollen. Davor war SURFjobs einfach eine Jobplattform und nach dem Programm eine Berufsorientierungsplattform.“ Als besonders wertvoll erwies sich die individuelle Betreuung durch das Team von EdTech Austria sowie das bereitgestellte Netzwerk – von anderen EdTechs, Expert:innen und Mentor:innen bis hin zur fundierten Erläuterung des komplexen Bildungssystems sowie der Schaffung konkreter Entry Points in dieses System.
„Das Highlight war die Community und vor allem die Leute, die alles teilen.“ Das Fellowship ermöglichte darüber hinaus Kooperationen, die sonst nicht entstanden wären – beispielsweise die Zusammenarbeit mit EduQuest – einem weiteren Fellow – die SURFjobs bei der Entwicklung von Gamification-Elementen unterstützten. Diese Synergie zeigt, dass Peer Learning einen großen Benefit haben kann.
Florian ist weiterhin im Peer Circle des Fellowships aktiv und teilt dort Wissen, Erfahrungen und Kontakte mit der neuen Kohorte. Mittlerweile ist das Unternehmen Mitglied bei EdTech Austria, hat die Qualitätsprüfung für digitale Lehr-Lernmittel bzw. Lern-Apps erfolgreich absolviert und ist im Marktplatz Lernapps des Bundesministeriums vertreten. Darüber hinaus nutzte das Team die Chance, an der von EdTech Austria organisierten Roadshow „Digitale Roadshow: Marktplatz Lernapps“ teilzunehmen.
Ein digitales Update für die Berufsorientierung
Die Idee von SURFjobs ist jedenfalls so simpel wie genial: die App präsentiert Berufe im trendigen Kurzvideo-Format und vernetzt Schüler:innen mit Unternehmen, Schulen und Lehrstellen. So entsteht ein digitales Ökosystem, das alle relevanten Akteur:innen miteinander verbindet. Inspiriert von Plattformen wie TikTok werden statt langer Textbeschreibungen kurze, dynamische Videos eingesetzt. Sie ermöglichen authentische Einblicke in reale Arbeitsumgebungen und vermitteln einen konkreteren Eindruck vom Berufsalltag.
Während SURFjobs einerseits aktiv bei Berufsorientierung und -findung unterstützt, erhalten Lehrpersonen ein eigenes Interface mit einer Übersicht über Entwicklungen, Interessen und Aktivitäten ihrer Klasse – um gezielt begleiten und fördern zu können. „Berufsorientierung wird dadurch strukturierter und transparenter“, sagt Florian. Auch Unternehmen profitieren: Sie können Lehrstellen präsentieren und ihr Arbeitsumfeld sichtbar machen. Die meisten Inhalte entstehen in Zusammenarbeit mit externen Partnern direkt in den Betrieben – häufig gemeinsam mit Lehrlingen. Weiterführende Schulen wie HTL, HAK oder HLW erhalten kostenlose Profile, um ihre Ausbildungsschwerpunkte vorzustellen.
Interessenstest , Geotargeting und KI
Ein zentrales Element der App ist ein integrierter RIASEC-Interessenstest. Die jungen User:innen reflektieren damit ihre Stärken und Interessen und entwickeln ein erstes differenziertes Selbstbild. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für personalisierte Vorschläge. SURFjobs setzt außerdem auf Geotargeting, um Lehrstellen und Ausbildungsangebote aus der unmittelbaren Umgebung auszuspielen. Zudem kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz: Sie unterstützt bei der Beschreibung seltenerer Berufe und soll künftig verstärkt genutzt werden, um individuelle Bildungswege vorzuschlagen – basierend auf Datenanalysen und potenziellen Interessenmustern. Die Vision: eine App, die nicht nur informiert, sondern langfristig begleitet. Aktuell sind rund 136 Schulen – darunter Mittelschulen und Polytechnische Schulen – sowie über 200 Lehrberufe in der App vertreten.
See Your Future – mit internationalen Perspektiven
Im Namen spiegelt sich die Idee wider – SURF steht für „See Your Future“ – und damit für den Anspruch, berufliche Möglichkeiten sichtbar und greifbar zu machen: digital, datenbasiert und in der Lebensrealität junger Menschen verankert. Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigen die Erfolge seit der Teilnahme am Fellowship: SURFjobs gewann den IdeaUP! Ideenwettbewerb 2025 in der Kategorie EdTech, wurde beim Pegasus 2025 mit dem oberösterreichischen Wirtschaftspreis ausgezeichnet, in den Marktplatz der Lernapps aufgenommen und wird nun von der Bildungsdirektion Oberösterreich unterstützt. Der nächste Schritt ist bereits in Planung: Das Unternehmen arbeitet am österreichweiten Ausbau der Plattform und lotet zugleich internationale Perspektiven aus.
Die Success Story zeigt damit eindrucksvoll, wie erfolgreich die Kombination aus Mentoring, Kooperation und Peer Learning sein kann – und dass EdTech auch in der Berufsorientierung enormes Potenzial hat. Weit über das Klassenzimmer hinaus!
Kurzinterview mit Florian
Warum braucht es SURFJobs?
Wir haben einfach gemerkt, dass es im Bereich der Berufsorientierung seit 20 Jahren nichts Innovatives gibt. Es fehlte ein digitaler Prozess, der dem Zeitgeist entspricht und auf dem Smartphone so intuitiv funktioniert wie TikTok. Die Jugendlichen haben uns direkt gefragt, wo man das herunterladen kann. Ab da wussten wir, dass der Bedarf da ist. Unser Ziel ist es jetzt, den roten Faden in die Berufsorientierungslandschaft zu bringen. Wir wollen jeden Schüler und jede Schülerin individuell über etwa eineinhalb Jahre begleiten, bis sie die passende Ausbildung gefunden haben. Es ist ein nachhaltiges Produkt, das den Schüler:innen helfen soll, eine glücklichere Wahl für ihren Lebensweg zu treffen.
Wie hilft KI und Datenanalyse den Schüler:innen?
Wir wollen Daten und KI nutzen, um Schüler:innen etwas aufzuzeigen, das wirklich zu ihnen passt. Oft interessieren sie sich unbewusst schon lange für eine bestimmte Richtung, ohne dass es ihnen klar ist. Durch Geotargeting spielen wir zudem nur Möglichkeiten aus, die in ihrer Umgebung realistisch verfügbar sind, anstatt sie mit dem ‚Gießkannen-Prinzip‘ zu überfordern.
Über 200 gelistete Lehrberufe – wie stellt ihr sicher, dass die Schüler:innen nicht den Überblick verlieren?
Wir arbeiten stark mit Statistiken und Daten, um Inhalte strategisch zu priorisieren. Ein interessanter Fakt ist, dass in Oberösterreich beispielsweise nur 22 spezifische Lehrberufe rund 75 % des gesamten Lehrstellenmarktes abdecken. Diese Erkenntnis hilft uns dabei, die Plattform bedarfsorientiert auszubauen und die wichtigsten Berufe zuerst sichtbar zu machen.
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