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EdTech Exchange: Ein Blick über den Tellerrand

Ein kleines Ratespiel zu Beginn. Die Fläche des gesuchten Landes entspricht ungefähr der Größe Niederösterreichs und es hat in etwa so viele Einwohner:innen wie Österreich. Nach den USA und China ist es das Land mit den drittmeisten an der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ gelisteten Unternehmen. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben Startups vor Ort über 10 Milliarden Dollar eingesammelt und im Jahr 2020 wurden 19 Unternehmen an die Börse gebracht. 

Erraten? 

Natürlich sprechen wir über Israel. Seit Jahren ist Israel als Startup-Nation in aller Munde. Neben klassischen Hochtechnologiebranchen oder FinTech verzeichnet auch der EdTech-Sektor vor Ort ein rasantes Wachstum. Aus diesem Grund wollten wir mehr über die Ansätze und das vorhandene Ökosystem lernen. In einer gemeinsamen Online-Veranstaltung mit dem israelischen EdTech Innovation Center MindCET konnten wir uns dazu austauschen und das Ganze mit spannenden Kurzpräsentationen von EdTech-Startups aus beiden Ländern verknüpfen. 

Vielfältige Unterstützung für EdTech Startups 

MindCET feiert im nächsten Jahr sein 10-jähriges Bestehen und bietet inzwischen ein breites Angebot zur Unterstützung technologischer Innovationen im Bildungsbereich. Das Innovation Center begleitet Startups bereits bei der Produktentwicklung und bringt sie direkt mit ihren Zielgruppen in Kontakt. Für fortgeschrittenere Startups besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Accelerator- sowie Internationalisierungsprogramm und zur Seed-Finanzierung über einen eigenen Fond. Zudem werden auch Lehrkräfte im Bereich EdTech weitergebildet und regelmäßig neueste Erkenntnisse aus den hauseigenen Think Tank-Formaten publiziert. Doch neben MindCET sowie einer Vielzahl sektorunabhängiger Startup-Programme gibt es mit EdTech Israel, dem Israel Innovation Institute sowie EdVantage auch diverse andere Unterstützungsangebote für die aktuell über 100 israelischen EdTech Startups. Den ersten großen Exit im EdTech Bereich verzeichnete Israel bereits 2015, als das israelische Bibliothekssoftware-Startup Ex Libris für 500 Millionen US-Dollar erworben wurde. 

Gerade im Bereich der Finanzierung konnte aber auch EdTech Austria sehr positive Nachrichten verkünden, da das österreichische EdTech Sartup GoStudent am Tag vor unseres Austausches eine Series-C Investment Runde über 205 Millionen Euro zu einer Bewertung von 1,4 Milliarden Euro verkündete und damit zum ersten offiziellen EdTech Unicorn in Europa wurde.  

Startup-Porträts von EdTechs aus Israel und Österreich

Mit konkreten Startup Beispielen aus beiden Ländern ging dann auch der internationale Austausch weiter. Einerseits präsentierten sich von österreichischer Seite eSquirrel und QuickSpeech 

QuickSpeech ist eine mobile Informationssteuerungs- und Motivationsplattform, die automatisch zum täglichen Lernen motiviert. Die App trainiert Mitarbeiter:innen in kurzen Wissensportionen und aktiviert spielerisch die Nutzung der Lernanwendung. eSquirrel bietet digitales Lernmaterial zu bestehenden Schulbüchern oder auch eigenen Lernunterlagen. Spannende Quests und Quizzes sowie 1-Klick-Auswertungen von Hausaufgaben oder Learning Analytics begeistern Schüler:innen und erleichtern Lehrenden den Arbeitsalltag. 

Hier geht’s zu den Blogartikeln von Quickspeech und eSquirrel

Andererseits überzeugten uns Cognishine und InceptionXR von israelischer Seite mit ihren Pitches. Cognishine entwickelt digitale Anwendungen für Teletherapie, aber auch persönliche Therapiesitzungen, über alle Altersgruppen hinweg und ermöglicht damit beispielsweise ein effektiveres Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining während Rehabilitationsprozessen. InceptionXR ist eine digitale Plattform für immersive Lernerlebnisse. Mittels Augmented Reality werden so zum Beispiel Bücher für Kinder und Jugendliche greifbar und ein völlig neues Lernerlebnis ermöglicht. 

Feedback und Anregungen erhielten die präsentierenden Unternehmen während der Veranstaltung von Gründer:innen und Expert:innen aus beiden EdTech Ökosystemen. 

Startschuss für Kollaboration und gemeinsame Projekte 

Zum Abschluss stellte MindCET noch die jährlich stattfindenden Global EdTech Startup Awards (GESAwards), die weltweit größte Startup Competition im EdTech Bereich, vor und rief zur Bewerbung und Teilnahme insbesondere österreichischer EdTechs auf. Das diesjährige Halbfinale für den deutschsprachigen Raum werden wir in Kooperation mit unserem Partner aus Deutschland, EDUvation, ausrichten. Das globale Finale findet schließlich im Jänner 2022 in London statt.  

Für EdTech Austria stellt der Ansatz von MindCET definitiv ein Vorbild dar und wir hoffen, für die nächsten Jahre eine ähnliche Entwicklung vor uns zu haben und das EdTech-Ökosystem hier in Österreich, aber auch über die nationalen Grenzen hinaus, bestmöglich unterstützen zu können. Insbesondere hat sich durch den Austausch gezeigt, wie wichtig eine Begleitung der EdTech-Unternehmen über alle Phasen hinweg, von der Produktentwicklung bis hin zur internationalen Skalierung, ist. Vor allem für EdTechs mit der Zielgruppe Schule bzw. Schüler:innen und/oder Lehrkräfte ist zudem der frühe Austausch mit den Nutzer:innen essentiell, stellt aber eine große Herausforderung dar. Hier müssen Programme geschaffen werden und gleichzeitig muss sich der öffentliche Sektor gegenüber diesen externen Akteur:innen stärker öffnen.  

Nähere Informationen zu den GESAwards gibt es hier: 

https://www.globaledtechawards.org/ 

Hannes Aichmayr, Portrait, 29.1.2021

Hannes ist Projektleiter von EdTech Austria. Als Lehrkraft hat er selbst hautnah erlebt, wie positiv sich der Einsatz neuer Medien im Unterricht auf den Lernerfolg der Kinder auswirken kann. In seiner Rolle möchte er nun den Einsatz von EdTech Lösungen im Bildungs-, Aus- und Weiterbildungsbereich in ganz Österreich voranbringen.

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