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Pitchen zur Primetime – EdTechs bei 2 Minuten 2 Millionen

Gleich zwei EdTech Unternehmen haben im September und Oktober vor der Jury von 2 Minuten 2 Millionen um ein Investment gepitcht. Wir haben mit Paul Beyer Klinkosch, einem der Gründer von SchuBu und Lukas Snizek, CEO und Founder von QuickSpeech über ihren Auftritt in der Startup Show gesprochen. 

Wie war es vor laufender Kamera zu pitchen?

Paul von SchuBu: Es war total aufregend. Für den Ulli war es das erste Mal, für mich war es das zweite Mal. Du hast einfach nur zwei Minuten Zeit und musst Wort für Wort wissen, was du sagt. Da braucht es schon eine gute Vorbereitung.

Lukas von QuickSpeech: Es war extrem aufregend und die Situation schon sehr speziell. Wenn auf einmal fünf Scheinwerfer auf dein Gesicht gerichtet sind und man zum ersten Mal im Fernsehen auftritt, wird einem fürchterlich warm. Zusätzlich muss natürlich der Pitch in den zwei Minuten perfekt sitzen.

Mit welchem Ziel seid ihr zu 2 Minuten 2 Millionen gegangen?

SchuBu: Unser Ziel war es, unser Produkt einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Wann hat man schon die Chance 20 Minuten Sendezeit in der Primetime zu bekommen?

QuickSpeech: Wir wollten ausloten inwiefern von Investor:innenseite Interesse an einer strategischen Partnerschaft oder auch einer Beteiligung besteht. Zusätzlich war natürlich der Werbeaspekt von 2 Minuten 2 Millionen ein wesentlicher Faktor. Auch der Austausch mit profilierten und erfahrenen Investor:innen war ein Anreiz.

Lukas Snizek, CEO und Founder von QuickSpeech beim Pitch (c) PULS 4/Gerry Frank

SchuBu hat kein Investment bekommen. Nach der Sendung hat sich aber einiges getan. Was ist nach dem Pitch passiert?

SchuBu: Für uns war in erster Linie die Öffentlichkeitswirkung sehr wichtig. In den ersten 48 h nach der Ausstrahlung haben uns viele Nachrichten erreicht und die Zugriffe auf der Website sind rasant gestiegen. Es haben sich auch fast 50 Schulen bei uns gemeldet. Unsere Erwartungen wurden also erfüllt. Den Werbewert, den du da erhältst, kannst du nicht kaufen.  Unser Auftritt ist aber auch zum richtigen Zeitpunkt ausgestrahlt worden. Vor dem Sommer hätten wir wahrscheinlich nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie jetzt im Herbst.

QuickSpeech hätte ein Investment bekommen, hat dieses abgelehnt. Was war der ausschlaggebende Grund?

QuickSpeech: Die Konstellation mit dem Investor hat in diesem Moment für uns einfach nicht wirklich gepasst. Wir wollten und wollen den Fokus stärker auf den Vertrieb und die Expansion nach Deutschland legen. Das war letztendlich auch für alle Beteiligten verständlich und wir sind weiterhin mit Philipp Maderthaner im Austausch.

Und was ist nach dem Pitch passiert?

QuickSpeech: Es ist sicherlich so, dass B2C-Produkte im Vergleich zu unserem B2B-Modell hier stärkere Effekte erleben. Trotzdem konnten auch wir steigenden Website-Zugriffe verzeichnen und eine Vielzahl an Social Media Interaktionen. Zusätzlich zu Philipp Maderthaner, der schon während der Show Interesse an einer Beteiligung gezeigt hat, kamen im Nachhinein auch weitere potenzielle Investor:innen auf uns zu. Vor allem unser Machine Learning Ansatz zur automatisierten Erstellung von Lerneinheiten stößt aktuell bei vielen Kontakten auf großes Interesse. Generell verlief unser Jahr (Aufzeichnung war bereits im März) trotz Corona sehr positiv. Unser Team konnten wir von drei auf acht Personen vergrößern und unseren Umsatz verdoppeln.

SchuBu-Gründer Paul Beyer Klinkosch und Ulrich Müller-Uri (c) PULS 4/Gerry Frank

Wie habt ihr euch auf die Sendung vorbereitet? Ist der Aufwand gerechtfertigt?  

SchuBu: Der Aufwand ist auf jeden Fall gerechtfertigt. Wir haben zu zweit ungefähr sieben Arbeitstage für die Vorbereitung gebraucht. Für die Home Story mussten wir einen Arbeitstag aufwenden. Für die Vorbereitung wird einem auch noch der „Pitch-Doktor“ Florian Kandler zur Verfügung, der einem hilft, den Pitch zu schärfen, was sehr hilfreich ist.

QuickSpeech: Die Vorbereitung war sehr zeitintensiv, da der Pitch wirklich perfekt passen muss und man auch im Vorhinein entsprechend Zeit für begleitende Werbemaßnahmen einplanen sollte. In Bezug auf den Pitch bekommt man auch spezifisches Coaching zu Vorbereitung. Auch die Nachbereitung sollte nicht unterschätzt werden: Man muss natürlich ressourcentechnisch für entsprechende Nachfragen und auch das steigende Interesse am Tag und im Nachgang zur Show gerüstet sein.

Welchen Tipp würdest du anderen Teilnehmer:innen geben oder denen, die darüber nachdenken mitzumachen?

SchuBu: Es gibt sehr viele Bewerber:innen und die Konkurrenz ist natürlich groß aber wenn du als Unternehmen teilnehmen kannst, dann musst du die Chance unbedingt wahrnehmen. Es ist eine sehr gute Werbeplattform.  Man muss allerdings bedenken, dass von der Aufnahme bis zur Ausstrahlung schon ein dreiviertel Jahr vergehen können. Wenn man ein Produkt entwickelt, kann sich in so einem Zeitraum auch wieder einiges am Produkt geändert haben. Für den Auftritt an sich, empfiehlt es sich, wenn man etwas hat, dass man gut herzeigen kann, etwas zum Angreifen und live sehen. Man sollte natürlich auch sehr sattelfest sein und wirtschaftliche Kennzahlen aus dem Ärmel schütteln können. Wenn man zu zweit ist, ist es gut, wenn einer das Produkt-Know-how und der andere die Zahlen im Kopf hat.

QuickSpeech: Der Zeitpunkt zur Teilnahme sollte gut gewählt werden. Wir hatten bereits vor eineinhalb Jahren über eine Teilnahme nachgedacht. Wir entschieden uns aber noch dafür, zu warten, bis wir eine noch stärkere Schlagkraft am Markt sowie ein erstes Investment in der Tasche hatten. Somit fällt auch eine etwaige Grundsatzdiskussion weg, weil ja nicht wir oder Investoren wissen, was gut ist, sondern der Markt, der QuickSpeech kauft. Und der hat ja bekanntlich immer recht!

 

Marlene ist Projektmitarbeiterin bei EdTech Austria. Ihr ist es ein großes Anliegen, die heimische Bildungslandschaft um digitale Bildungsanwendungen und -tools reicher zu machen. In ihrer Rolle möchte sie EdTechs, ihre Anwender:innen und Forschungseinrichtungen vernetzen, um ein starkes heimisches EdTech-Ökosystem zu schaffen.

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