18. April 2023, Allgemeines, Schule, Hochschule, berufliche Aus- und Weiterbildung, Lebenslanges Lernen

ChatGPT – Gekommen, um zu bleiben: Part I

Was ist das jetzt genau und warum ist das so relevant?

Chatbots, die uns auf ganz selbstverständliche Art beim Coden helfen oder dabei, eine Unterrichtseinheit zum Thema digitale Medienkompetenz für die 7. Schulstufe zu gestalten – Das abrupte Ankommen von allgemein nutzbarer Künstlicher Intelligenz (KI) hat mit einem Mal unsere Welt auf den Kopf gestellt. Ganz praktisch gesehen stehen wir damit auch vor vielen gesellschaftlich relevanten Fragen. Beispielsweise ob und auf welche Art wohl Tools wie ChatGPT von OpenAI in der Schulwelt Platz finden?

Die Kopf-in-den-Sand-Taktik wird hier wohl nicht lange gutgehen – da sind sich auch unsere Gesprächspartner:innen einig. Deshalb haben sie sich frühzeitig mit ChatGPT befasst und setzen es als „künstlichen Assistenten“ im Unterricht ein. (Mehr Infos zum Einsatz im Unterricht bekommt ihr demnächst!) Unsere Gesprächspartner:innen sind:

  • Michael Lutz, EdTech Coach und Lehrer der 1.-3. Sekundarstufe im Kanton Zürich
  • Alicia Bankhofer, Lehrerin an einer Wiener Schule, sie unterrichtet Digitale Grundbildung und Englisch in der Sekundarstufe 1
  • Martin Wieser, Pädagoge und Edgame-Designer

Sie sehen für Lehrkräfte und Lernende viele spannende neue Chancen, aber auch einige Risiken. Und tatsächlich scheinen sich führende Expert:innen über die Folgen und weiteren Entwicklungsschritte der Technologie nicht einig zu sein. Eines hallt allerdings in unisono durch die Welt: Diese neue Art von smarten Programmen sind gekommen, um zu bleiben.

Der künstliche Assistent

ChatGPT gehört zur digitalen Familie der „Generative Artifical Intelligence“. Das sind Content generierende Technologien, zu denen auch Bild- und Animationstools wie DALL-E, Midjourney oder NightCafe zählen. ChatGPT basiert auf dem Ansatz des Machine Learning und „lernt“ anhand von Informationen aus dem Internet. Als smartes Sprachmodell arbeitet es speziell durch die Analyse von Mustern und gibt detaillierte Antworten auf individuelle Eingaben der User:innen. Der Text wird dann in möglichst natürlicher Sprache, basierend auf „Natural Language Processing“ als Chatantwort ausgegeben. So wird das Schreiben von einfachen Texten oder das Ausarbeiten von Formeln – sei es für eine spezifische Excel-Tabelle oder einen HTML-Code für eine eigene Website – leichter. Das macht den Bot zu einem künstlichen Assistenten, der in vielen Branchen eine Arbeitserleichterung sein kann.

Einfach mal ausprobieren

Obwohl die aktuell frei zugängliche Version von ChatGPT auf den ersten Blick recht einfach anmutet, verbergen sich einige Stolpersteine, damit Nutzer:innen die besten Funktionen aus dem Tool bekommen. Das Zauberwort lautet „Prompt Engineering“. Klingt kompliziert – ist es aber nur bedingt. Zu verstehen gilt es, wie Befehle (Prompts) am besten funktionieren. Ein guter Tipp: Vorher genau überlegen, was das Endergebnis sein soll und dann so spezifisch wie möglich eine Aufgabe an den Bot stellen. Schreibt eine Lehrkraft nur „Beispiele Bergwelten Österreich“ wird das Tool sehr generischen Content generieren. Schreibt sie aber „10 Beispiele der Flora und Fauna des Großglockners in Österreich mit 5 Multiple Choice Fragen für Lernende der 5. Schulstufe“ wird schon mehr dabei rauskommen. Es könnte auch hilfreich sein, sich vorzustellen, den digitalen Assistenten noch ein bisschen ausführlicher anleiten zu müssen. Immerhin ist er gerade erst in der Einschulungsphase, da braucht es eben oft noch genaue Anweisungen. Die erste Frage oder Anweisung muss aber nicht perfekt sein, sie kann auch nach der ersten „Antwort“ von ChatGPT weiter ausformuliert werden, wie in einem Gespräch.

ChatGPT
Unsere Autorin hat ChatGPT selbst ausprobiert. Wir finden, ChatGPT bringt hier ganz passable Vorschläge.

Besser nicht wegschauen

Wie auch bei anderen (Lern-)Programmen geht es schlussendlich darum, was wir damit anstellen und wie genau wir uns mit den generierten Antworten befassen. Denn nicht alles, was ChatGPT bereitstellt, ist auch richtig.

„Wir nehmen auch nicht gleich die ersten zwei Suchergebnisse auf Google oder glauben jedes Wort, das auf Wikipedia steht.“

Das sagt Alicia Bankhofer, die an einer Wiener Schule Digitale Grundbildung und Englisch in der Sekundarstufe 1 unterrichtet. Entwickler:innen haben diese Probleme als „Halluzinationen“ beschrieben – wenn die Technologie faktenfreie, erfundene Inhalte generiert. So kann es also durchaus vorkommen, dass Jahreszahlen, Orte oder sogar ganze Ereignisse nicht stimmen. Somit empfiehlt es sich, die Antworten stets auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Abseits dieser Risiken gibt es im Bildungsbereich aber auch die reale Hoffnung auf mehr Bildungsgleichheit durch den einfachen Zugang zu enormen Mengen an Informationen. Und vor allem gilt es eines nicht zu vergessen:

„Die Kinder nutzen es ja selbst schon, was würde es dann für einen Sinn machen, es in der Schule zu verbieten oder als Lehrer wegzuschauen? Viele Eltern sind mit der Technologie und der Masse an Themen, die sie mit sich bringt, schlichtweg überfordert. Es liegt an uns Lehrkräften, den Kindern einen sicheren und moralischen Umgang beizubringen. Wer soll das sonst machen?“

Das sagt Michael Lutz. Wie Lehrende ChatGPT derzeit auf verantwortungsvolle und innovative Weise in ihren Unterricht einbauen, haben wir uns in Teil II angeschaut.

(Anm. der Redaktion: Nein, dieser Artikel wurde nicht mit ChatGPT geschrieben 😉 )

FAQ ChatGPT

Was ist ChatGPT und was ist ChatGPT nicht?

Ist ChatGPT intelligent oder nicht? Das liegt an der Perspektive und stellt uns vor die philosophische Frage – was ist intelligent? Aktuell sprechen wir über ChatGPT als Künstliche Intelligenz, im Sinne einer multidimensionalen Technologie. Was es nicht ist, ist eine „General AI“ wie wir sie aus Science Fiction Geschichten kennen, also eine echte Superintelligenz, die selbstständig agiert und denkt. Die gibt es (noch) nicht.

Was kann man damit machen?

ChatGPT soll eine Arbeitserleichterung sein und dabei intuitiver als andere Suchmaschinen oder Online-Lexika auf die Befehle der User:innen Antworten geben. Dabei gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten ChatGPT im Arbeits- oder Schulumfeld einzusetzen und auch damit zu lernen.

Wie setzt man es am besten im Unterricht ein?

Das besprechen wir demnächst, im zweiten Teil unserer ChatGPT-Serie!

Ist ChatGPT kindersicher?

Nein. Deshalb tauchen jetzt Lösungen auf, die auf Basis von ChatGPT eigene Lernprogramme, wie die Unterrichtsplattform fobizz (mehr dazu in Part II), entwickeln. Hier können Lehrkräfte zu Themen eigene Räume einrichten, wo der Chatbot kinderfreundlich ist.

Bleibt das jetzt?

Niemand kann in die Zukunft schauen, aber die meisten Expert:innen sind sich einig, dass KI-Assistenten wie ChatGPT, Dall-E oder Midjourney erst der Anfang sind. Schon jetzt gibt es viele weitere Angebote neben diesen Marktstürmern und es ist wahrscheinlich, dass diese Tools bald so häufig wie Suchmaschinen oder Navigationssysteme genutzt werden.

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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