22. Februar 2023, Schule

Matura-Simulationen und Eulen: Die fabelhafte Welt von Studyly

Eine Schwäche BEIM Mathe lernen oder eine Schwäche FÜR das Mathe lernen – ein großer Unterschied. Für viele Schüler:innen ist Mathematik nach wie vor ein leidiges Thema und sie haben daher eher eine Schwäche beim Mathe lernen. Der studierte Mathematiker Leon Frischauf wollte daran unbedingt etwas ändern und möglichst vielen jungen Menschen die Angst vor dem Fach nehmen. Deshalb gründete er 2019 mit Geschäftspartner Georg Windischbauer die interaktive Lernplattform Studyly.

Der gebürtige Wiener hat damit scheinbar einen Nerv getroffen – Rund 30.000 Schüler:innen und 300 Schulen in Österreich und Deutschland setzen bereits auf Studyly. Damit haben sie Zugriff auf mehr als 25.000 Aufgaben, die den Lehrplan der AHS-Unterstufen, Oberstufen sowie Mittelschulen abdecken. Das Erfolgsrezept? Es klingt ehrlicherweise einfacher als es ist: Mathematik sowohl Unterrichtenden als auch Lernenden so richtig schmackhaft machen!

Die interaktive Lernplattform ist für Lernende und Lehrende gleichermaßen gemacht, mehr noch – „Studyly soll eine Verbindung zwischen ihnen herstellen“. Für Lehrer:innen zahlt sich die Nutzung jedenfalls gleich an mehreren Stellen aus: Viele Prozesse sind automatisiert, wie die Benotung von Tests und Hausaufgaben, die allesamt aus Studyly heraus erstellt werden können. Regelmäßige Lernstandsübersichten, die automatisch generiert werden, halten die Lehrkräfte auf dem Laufenden. Das gibt ihnen mehr Zeit für eine intensivere Vorbereitung und individuelles Unterrichten.

Blockaden abbauen durch positive Lernerlebnisse und Prüfungssimulation

Studyly ist eine adaptive Lernumgebung, in der das Üben durch einen Algorithmus personalisiert ist. Dafür werden unterschiedliche Parameter herangezogen und das Lernverhalten von User:innen analysiert: Zum Beispiel, wie oft sie bei Aufgaben falsch lagen oder wie lange sie an der Lösung feilten. Basierend darauf stuft das System ihre Stärken und Schwächen ein und schafft somit eine Lernwelt mit angepassten Schwierigkeitsgraden, die auf positive Lernerfolge zielt. Auch für diejenigen, die unter hartnäckigen Prüfungsängsten leiden ist vorgesorgt: Sie können mit Studyly eine Matura simulieren. „Je realitätsnäher sich Maturant:innen auf die Klausur vorbereiten, desto besser, um die Angst in den Griff zu bekommen“, sagt Leon.

Beim ersten Fehler erhalten Lernende kleine Tipps, wie sie zur richtigen Lösung kommen und erst beim zweiten gescheiterten Versuch wird ihnen der gesamte Rechenweg offengelegt und sie sehen, wo der Fehler lag. Das motiviert und regt zu selbstständigem Lernen und Verstehen an. Vor allem dann, wenn Schüler:innen durch das sofortige Erfolgserlebnis beim Üben mit Studyly sehen, dass sie den jeweiligen Themen im Unterricht in der Schule besser folgen können. Den Spaßfaktor bringen bei Studyly beispielsweise animierte Eulen, die nach drei richtigen Lösungen erscheinen oder das Extra-Punkte-Sammeln, wodurch sie ihren eigenen Avataren ein cooleres Outfit verpassen.

Im übersichtlichen Dashboard von Studyly sehen Schüler:innen ihre Kurse und ihren Lernfortschritt. (Foto: Webseite studyly)

Der Lehrenden Lehre leicht gemacht

Während sich die Aufgaben bei Studyly für die Oberstufen nach den Grundkompetenzen richten, sind hier auch erweiterte Kompetenzen wie Kegelschnitte oder Komplexe Zahlen abgebildet. Somit kommen auch leistungsstärkere Schüler:innen voll auf ihre Kosten und Lehrkräfte können ihnen vertiefende Übungen stellen.

Apropos individuelle Förderung: Diejenigen, die sich selbst eher in der Kategorie „Mathe-Schwäche“ sehen und deren Lehrkräfte Studyly noch nicht verwenden, können eigenständig mit Studyly+ im Abo-Format lernen. „Mit einem eigenen Kurssystem und Support-Angebot haben wir damit eine Alternative zum klassischen Nachhilfeangebot geschaffen, das weitaus günstiger ist als teure Nachhilfestunden“, so Leon.

Kooperationen und Zukunft

Mittlerweile wird das Unternehmen vom österreichischen Bildungsministerium empfohlen und kann stolz auf große Kooperationen mit Bildungsverlagen, wie dem öbv in Österreich oder dem EKV in Deutschland blicken, wobei Studyly deren Mathe-Lehrbücher mit digitalen Übungen und Unterrichtsmaterialien im Programm beinhaltet.

Ein guter Motivator für die Zukunft, die laut Leon möglicherweise neue innovative Plattformen für weitere Unterrichtsfächer bringen soll. „Wir wollen generell Unterricht besser machen, das ist für mich halt eines der schönsten Themen, zu dem man etwas beitragen kann. Das motiviert mich jeden Tag meine Energie da reinzustecken.

Aufgabe von Studyly. (Foto: Webseite Studyly)

Nachgefragt bei Leon:

Hilft digitales Lernen bei Schüler:innen, die Angst oder keine Lust auf Mathe haben?

Wenn es gut gemacht ist, ja. Wir führen mit Studyly Lernende Schritt für Schritt durch die Aufgaben, damit sie den Lehrstoff verstehen und nicht auswendig lernen. Sofortiges Feedback erhöht zusätzlich die Lernmotivation, das geht durch digitale Tools besser, als wenn Schüler:innen Hausaufgaben analog machen. Durch unsere gamifizierten Elemente wollen wir natürlich auch den Spaß am Mathelernen steigern. Das alles passt meiner Meinung nach auch einfach gut in unsere aktuelle Lebenswelt, die zu einem großen Teil aus digitalen Medien besteht.

Wie seid ihr an Schulen so beliebt geworden?

Tatsächlich fast nur durch Mundpropaganda. Es spricht sich rum. Wenn Lehrpersonen den Wert von Tools und Arbeitsmitteln erkennen, dann empfehlen sie die auch weiter und damit erreicht man schrittweise sehr viele Schulen.

Was ist der Unterschied zwischen Studyly und klassischen Lernplattformen?

Eine klassische Lernplattform versucht bürokratische und administrative Aufgaben abzudecken und vorrangig den Unterricht zu organisieren. Aber Mathe ist unheimlich komplex. Ein generalisiertes Lernmanagementsystem passt dazu nicht. Unser Ansatz war es, ein Programm rein für Mathematik zu entwickeln, um alle Aspekte, die dieses Fach hat, abzubilden.

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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