30. Oktober 2026, Schule, berufliche Aus- und Weiterbildung

Dynamische Berufsorientierung für stürmische Zeiten

Beruf ist gleich Berufung? Wohl nicht immer. Schon gar nicht, wenn die Berufsorientierung auf der Strecke bleibt. Denn besonders in jungen Jahren entwickeln sich nicht nur Vorlieben und Fähigkeiten konstant weiter, es verändern sich auch viele Ansichten und Vorstellungen. All das beeinflusst den Berufsweg. Die Gründer:innen von Innoviduum fanden schon 2016, dass es an der Zeit ist, einen digitalen Begleiter zu entwickeln, der all diese Variablen abdecken kann.

Mockup von TalentLoop auf Laptop
Foto: Innoviduum

Stärkenorientierung statt Schubladendenken

Stärken erkennen und dabei den eigenen Weg zum Beruf finden: Innoviduum ist dabei keine klassische Berufsorientierungs-Plattform. Vielmehr bietet das Unternehmen eine holistische Selbstfindungs-Reise, die viel Spielraum zur Entwicklung lässt. Zugrunde liegt das nicht zuletzt auf den Erfahrungen des Gründers Markus Pollhamer.

Denn in die Spuren des Vaters zu treten, das hat Markus ursprünglich zu einer Lehre als Fliesenleger geführt – allerdings nicht erfüllt. Ein „kleiner Schubs“ eines Freundes und eines Lehrers brachten ihn schlussendlich dazu, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und führten ihn zu einer akademischen Laufbahn. „Es hat sich herausgestellt, dass es um viel mehr geht als um das, was einem ein starrer Test zuschreibt oder an Defiziten festmacht. Wir entwickeln uns konstant weiter und es muss Chancen geben, seine Laufbahn selbst zu konstruieren“, so Markus. Ein Gedanke, der ihn bis zur Gründung von Innoviduum 2016 begleitete. Damals zu fünft gegründet, sind es heute er und seine Frau Anna Pollhamer, die das EdTech führen und gemeinsam mit ihrem Team innovative Lösungen für stärkenorientierte Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung entwickeln.

Kunstdrechslerei oder Möbelhaus?

Bei den Hauptprodukten für den Bildungsbereich, den Lernapplikationen, bilden TalentLoop und TalentLoop Career ein großes Ganzes: Sie stärken Selbstbewusstsein und Reflexion und unterstützen die Berufsorientierung. Durch positives Feedback aus dem Umfeld, sei es von Mitschüler:innen, Lehrer:innen oder Eltern, wird das Selbstbild um das Fremdbild erweitert. So lassen sich Stärken und Potenziale besser erkennen. Generell geht es nicht darum, die Jugendlichen zu dem einen perfekten Beruf zu bringen, sondern ihnen Bereiche zu eröffnen, die ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen und moralischen Vorstellungen entsprechen.

Tischler:in beispielsweise bedeutet nicht gleich Tischler:in: „Wer Wert auf Harmonie oder Gemeinschaft legt, fühlt sich vielleicht in einer kleinen Kunstdrechslerei wohl, während andere im Reparaturservice eines großen Möbelhauses aufblühen“, sagt Markus. Innoviduum sieht Berufsorientierung als kontinuierlichen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, die durch die App begleitet wird.

Mockup von TalentLoop auf Laptop
Foto: Innoviduum

KI, Mehrsprachigkeit und Feedback

Die Lernplattformen TalentLoop und TalentLoop Career basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Positiven Psychologie und der empirischen Bildungsforschung. Im Mittelpunkt steht ein stärkenorientierter Ansatz, der junge Menschen dabei unterstützt, ihre Potenziale zu entdecken, ein positives Selbstbild und Selbstwirksamkeit zu entwickeln und ihre persönliche sowie berufliche Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Die Komplexität steigt dabei stufengerecht: ab der 5. Schulstufe mit spielerischer Wortschatzarbeit, bis hin zur Oberstufe mit tiefgehender Reflexion und praxisnahen Bewerbungsvorbereitungen.

Klassische Fragebögen finden die jungen User:innen nicht, dafür eine durchdachte Kombination aus individuellen Lernwegen, Reflexionen über Vorbilder oder Lieblingsfilme und Auswertungen, um mehr über ihre Interessen und bevorzugten Arbeitsumgebungen herauszufinden. „Die KI unterstützt Jugendliche insbesondere bei Reflexion, der Erkundung beruflicher Möglichkeiten und der Vorbereitung konkreter Schritte“, so Markus. Neben der digitalen Berufsbegleitung bieten Markus und Anna aber auch persönliche Workshops zum Thema Positive Psychologie, Stärkenorientierung und Schulentwicklung für Schulen an.

Wenn das Timing stimmt

„Wir sehen, dass der Bedarf real ist. Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2025 ist der Anteil der 15-Jährigen ohne klare berufliche Vorstellungen zwischen 2018 und 2022 von rund 25 auf 39 Prozent gestiegen. In Österreich lag dieser Anteil sogar bei rund 42 Prozent“, sagt Markus. Er sieht aber auch, dass „KI und Digitalisierung gleichzeitig die Arbeitswelt verändern und damit auch die Anforderungen an zukünftige Generationen.“ Umso wichtiger wäre es, junge Menschen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Stärken, Interessen und Werte kennenzulernen und ihren beruflichen Weg selbstbestimmt zu gestalten. Innoviduum setzt genau hier an: nicht mit Antworten von außen, sondern mit dem Aufbau von innerer Klarheit.

Kurzinterview mit Markus

Porträtfoto Markus Pollhamer von Innoviduum
Markus Pollhamer, Foto: Innoviduum

Warum setzt Innoviduum auf narrative Ansätze statt klassischer Matching-Tests?

Weil ein Test jungen Menschen nicht die Entscheidung abnehmen kann und soll. Klassisches Matching vermittelt oft das Gefühl: „Der Test sagt mir, was ich werden muss.“ Berufswahl ist aber ein proaktiver Prozess, bei dem es darum geht, die eigene Identität zu konstruieren. Über narrative Ansätze lernen Jugendliche, ihre eigene Zukunftsgeschichte zu erzählen – das baut echte Selbstwirksamkeit auf.

Wie hilft KI bei Jobs, die es heute vielleicht noch gar nicht gibt?

Statische Datenbanken bringen uns nicht weiter, weil sich Berufsbilder ständig verändern. Wir nutzen KI für Echtzeit-Abfragen, um immer die aktuellsten Informationen zu liefern. Die KI übernimmt, was sie am besten kann, und dadurch bleibt den Pädagog:innen und Jugendlichen mehr Raum für die persönliche Reflexion und Begleitung.

Man hört derzeit öfter, dass es irgendwann vielleicht gar keine klassischen Berufe mehr geben wird. Kannst du dir das vorstellen?

Ich kenne diese extremen Zukunftsbilder aus der Tech-Branche natürlich. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich die Verbindung zwischen dem persönlichen Talent und dem Beruf jemals völlig auflöst oder gar überflüssig wird. Der Beruf ist eben ein sinngebendes Element für den Menschen. Wir sind soziale Wesen und das ist etwas, das wir trotz aller technologischen Möglichkeiten nicht aus den Augen verlieren dürfen.

Was ist euch bei eurer Arbeit wichtig?

Wir finden, wenn sich Berufsbilder und Anforderungen immer schneller verändern, reicht es nicht mehr aus, Jugendliche auf eine einmalige Berufswahl vorzubereiten. Sie müssen lernen, sich immer wieder neu zu orientieren, ihre eigenen Stärken und Werte zu kennen und ihre Zukunft aktiv zu gestalten. In unserem Bildungssystem liegt der Fokus häufig darauf, was Kinder und Jugendliche noch nicht können. Wir möchten den Blick stärker darauf richten, was bereits in ihnen steckt. Denn wer seine Stärken kennt, entwickelt Selbstvertrauen und kann die eigene Zukunft selbstbestimmter gestalten.

Eve hat sich nach der Kommunikationsarbeit in der Salzburger Innovationsszene als Texterin in Wien selbstständig gemacht. Der Funke ist über die Distanz aber nicht erloschen: Nach wie vor schreibt sie am liebsten über innovative Unternehmer:innen und ihre spannenden Ideen. Dafür geht ihr im EdTech Bereich sicherlich nicht so schnell der Stoff aus.

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