8. Oktober 2026, Allgemeines

Die Zukunft des Lernens beginnt heute

Rückblick auf den EdTech Austria Summit 2026

Wie sieht Schule im Jahr 2035 aus? Welche Fähigkeiten brauchen wir in einer Welt, die sich ständig verändert? Und wie können Bildungstechnologien das Lernen tatsächlich verbessern? Beim EdTech Austria Summit 2026 am 7. Oktober in der Alten Saline in Hallein drehte sich alles um die Zukunft des Lernens – und darum, wie wir sie schon heute gestalten können.

Eva Nittmann (links) und Magdalena Gärtner von EdTech Austria, Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Bildungsexpert:innen, EdTech-Unternehmen, Pädagog:innen sowie Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Forschung kamen zusammen, um neue Perspektiven kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam weiterzudenken. Zwei Keynotes lieferten dabei besonders spannende Denkanstöße: eine Reise in mögliche Schulen der Zukunft und die Frage, warum künstliche Intelligenz nicht nur Antworten liefern, sondern vor allem das Lernen fördern sollte.

Die Zukunft braucht die richtigen Rahmenbedingungen

Bereits beim Eröffnungspanel wurde deutlich, dass die Zukunft des Lernens nicht allein von technologischen Entwicklungen abhängt. Vertreter:innen aus Bildung, Politik und Wirtschaft diskutierten darüber, welche Kompetenzen junge Menschen künftig benötigen und welche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen.

Eröffnungspanel, Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Dabei ging es unter anderem um den verantwortungsvollen Umgang mit KI, die Bedeutung europäischer Lösungen und die Frage, wie Bildung mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt halten kann. Bildungslandesrätin Daniela Gutschi betonte: „Die rasante Entwicklung von KI stellt uns vor neue Herausforderungen. Unsere Aufgabe ist es nicht, diesen Zug aufzuhalten, sondern die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Entwicklung sinnvoll zu gestalten. Dafür müssen wir zusammenarbeiten, auf europäische Lösungen setzen und Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich bestmöglich zu entfalten.“

Melina Schneider-Lugger von der Wirtschaftskammer Österreich betonte, dass die ständige Verfügbarkeit von Wissen auch das Lernen grundlegend verändert. Die Herausforderung bestehe zunehmend darin, Informationen kritisch zu beurteilen und Wissen in Handlungskompetenz umzusetzen. Dafür brauche es individuelle Lernmöglichkeiten in allen Lebensbereichen – vom Kindergarten über die Schule bis zum Arbeitsplatz.

Schule 2035: Welche Zukunft wollen wir eigentlich?

Wie wird Schule in knapp zehn Jahren aussehen? Mehr KI, weniger Lehrkräfte, personalisierte Lernwege? Oder vielleicht sogar ganz ohne digitale Technologien?

In seiner Keynote „Zukünfte des Lernens – 5 Schulen im Jahr 2035“ nahm Bildungsexperte Jöran Muuß-Merholz von der Agentur J&K das Publikum mit auf eine gedankliche Zeitreise. Statt eine einzige Zukunft vorherzusagen, stellte er fünf bewusst unterschiedliche Schulmodelle vor.

Keynote Jöran Muuß-Merholz, Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Die Bandbreite reichte von einer vollständig digitalfreien Schule mit klassischen Bildungsinhalten und handwerklichen Fähigkeiten über KI-gesteuertes, hochgradig individualisiertes Lernen bis hin zu einer Schule, in der Kinder und Jugendliche selbst entscheiden, was sie lernen möchten. Andere Modelle setzten auf globale Vernetzung, gemeinsames Lernen und gesellschaftliches Engagement.

Die Szenarien machten deutlich, wie unterschiedlich Schule gestaltet werden kann und welche pädagogischen Vorstellungen hinter dem Einsatz oder bewussten Verzicht auf Technologien stehen. Dabei ist die technologisch fortschrittlichste Schule nicht automatisch die pädagogisch beste. Vielmehr geht es um grundlegende Fragen: Wie viel Freiheit brauchen Lernende? Welche Rolle übernehmen Lehrkräfte? Wie wichtig ist gemeinsames Lernen? Und wie viel Einfluss wollen wir Technologien auf Bildungsprozesse geben?

Die zentrale Botschaft: Nicht die Technologie sollte bestimmen, wie Schule künftig aussieht. Zuerst müssen wir klären, welche Bildung wir wollen – und anschließend überlegen, welche Technologien uns dabei unterstützen können.

Wenn KI das Lernen übernimmt: Werden wir dadurch wirklich klüger?

Die zweite Keynote griff diese Frage aus einer anderen Perspektive auf. Bildungsinnovatorin Svenia Busson von Education Futures beschäftigte sich unter dem Titel „Wie das Gehirn lernt: Warum Bildungs-KI anders entwickelt werden muss“ damit, was Menschen beim Lernen tatsächlich hilft – und wo KI möglicherweise sogar zum Hindernis werden kann. Denn nur weil wir mit künstlicher Intelligenz Aufgaben schneller erledigen, bedeutet das noch lange nicht, dass wir dabei etwas lernen.

Busson räumte zunächst mit verbreiteten Lernmythen auf. So gibt es keine wissenschaftlich belastbare Grundlage für die Vorstellung, dass jeder Mensch einen festen Lerntyp hat. Auch die Behauptung, wir würden nur zehn Prozent unseres Gehirns nutzen, ist falsch. Unser Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig. Entscheidend sind unter anderem konzentriertes Arbeiten mit bewussten Pausen, das Vermeiden von Multitasking und das regelmäßige Wiederholen von Gelerntem.

Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

KI als Lerncoach statt Antwortmaschine

Lernen braucht Aufmerksamkeit, Zeit und Anstrengung. Gerade diese Anstrengung können KI-Anwendungen jedoch reduzieren. Das ist praktisch, wenn es darum geht, Aufgaben effizient zu erledigen. Beim Lernen kann es allerdings problematisch werden.

Ein Text ist geschrieben, eine Mathematikaufgabe gelöst, eine Präsentation fertig. Doch was passiert mit unseren Fähigkeiten, wenn wir die dafür notwendigen Denkschritte regelmäßig an KI auslagern? Busson warnte davor, dass KI zwar sichtbare Ergebnisse verbessern kann, ohne dass die tatsächlichen Kompetenzen der Lernenden wachsen.

Was bedeutet das für die Entwicklung von Bildungstechnologien? KI-Lerntools sollten nicht einfach fertige Antworten liefern, sondern Lernende zum eigenständigen Denken anregen. Etwa indem sie Hinweise geben, Rückfragen stellen und dabei helfen, selbst auf eine Lösung zu kommen. Ebenso wichtig ist die soziale Dimension: KI sollte menschliche Beziehungen nicht ersetzen, sondern den Austausch mit Lehrkräften, Mentor:innen und anderen Lernenden fördern. Damit formulierte Busson eine wichtige Aufgabe für die EdTech-Branche: Bildungstechnologien sollten nicht nur produktiver machen, sondern Menschen beim Lernen stärken.

Digitale Lernangebote für die Praxis

Wie Bildungstechnologien sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können, war auch Thema des Panels „Marktplatz Lernapps – Perspektiven für die Zukunft des digitalen Lernens“. Mit dem Übergang in den Regelbetrieb erreicht der österreichische Marktplatz Lernapps einen wichtigen Meilenstein. Schulen erhalten damit Zugang zu qualitätsgeprüften digitalen Lernanwendungen, die sie passend zu ihren Anforderungen auswählen können.

Panel Marktplatz Lernapps, Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Die Diskussion zeigte, dass Qualitätssicherung, Datenschutz und eine einfache Beschaffung ebenso wichtig sind wie der pädagogische Nutzen. Lernapps können beispielsweise durch unmittelbares Feedback Lernfortschritte unterstützen oder helfen, sprachliche Barrieren zu überwinden. Entscheidend bleibt aber, dass die Anwendungen zu den Bedürfnissen der Lernenden und zum jeweiligen Unterricht passen.

Lernen für eine Arbeitswelt im Wandel

Nicht nur die Schule verändert sich. Auch in der Arbeitswelt werden Kompetenzen immer wieder neu gefragt sein. Das Panel „Reskilling Revolution“ widmete sich deshalb der Frage, wie Menschen über ihre gesamte Bildungs- und Berufsbiografie hinweg lernen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können.

Panel Reskilling Revolution, Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Dabei wurde deutlich, dass Noten und Abschlüsse nicht immer vollständig zeigen, was ein Mensch tatsächlich kann. Umso wichtiger wird es, Kompetenzen sichtbar zu machen und individuelle Lernwege zu ermöglichen. KI kann dabei unterstützen, etwa durch personalisierte Lerninhalte oder passende Weiterbildungsempfehlungen. Doch Technologie allein schafft noch keine Lernmotivation. Lernen ist auch ein sozialer Prozess, der Austausch, Orientierung und Möglichkeiten zur praktischen Anwendung braucht.

Lebenslanges Lernen ist deshalb nicht nur eine individuelle Aufgabe. Auch Bildungseinrichtungen, Unternehmen und politische Entscheidungsträger:innen müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.

Gemeinsam weiterdenken und EdTech ausprobieren

Neben den Diskussionen auf der Hauptbühne boten drei Workshops Raum, einzelne Themen zu vertiefen: die erfolgreiche Zusammenarbeit von Lehrkräften und KI, alternative Formen der Leistungsbeurteilung ohne klassische Noten sowie das gemeinsame Nachdenken über aktuelle Bildungsfragen beim „Mikro-Barcamp“.

Wie vielfältig Bildungstechnologie bereits heute ist, konnten die Besucher:innen außerdem in der Tech Tasting Area und der EdTech Austria Fellowship Showcasing Area erleben. Insgesamt präsentierten sich über 30 EdTech-Startups und Unternehmen mit ihren Anwendungen und Ideen für die Zukunft des Lernens. Die Teilnehmenden konnten digitale Lernlösungen direkt ausprobieren und mit den Teams dahinter ins Gespräch kommen.

Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den neun Teams des zweiten EdTech Austria Fellowship-Programms. Acht davon stellten ihre Ideen auch bei einer Pitch Session auf der Hauptbühne vor (ein Fellow war leider krank) und wurden von einer Fachjury sowie dem Publikum bewertet.

Über die ersten drei Plätze durften sich freuen:

  1. Platz: lernly (digitales Lernspiel für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache) – lernly hat damit zwei Tickets für die Teilnahme beim Austrian Startups Summit gewonnen.
  2. Platz: Palino (Lese-App mit Spracherkennung und individuellem Feedback)
  3. Platz: ivi (KI-basierter Sprachlerntutor mit interaktiven Hörgeschichten ohne Bildschirm)

Das Fellowship-Programm ist eine gemeinsame Initiative von EdTech Austria und dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET).

Die Zukunft des Lernens gestalten wir gemeinsam

Der EdTech Austria Summit 2026 hat gezeigt, wie viele Möglichkeiten, aber auch Fragen die Zukunft des Lernens mit sich bringt. Wie können wir KI sinnvoll einsetzen? Wie fördern wir individuelle Fähigkeiten, ohne das gemeinsame Lernen aus den Augen zu verlieren? Und wie schaffen wir Bildungsangebote, die Menschen ein Leben lang begleiten? Einfache Antworten gibt es darauf nicht. Umso wichtiger sind Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, Erfahrungen geteilt und neue Ideen entwickelt werden.

Der Summit bot genau dafür Gelegenheit – mit inspirierenden Denkanstößen, praktischen Einblicken und vielen persönlichen Begegnungen. Denn die Zukunft des Lernens ist keine Frage, die wir irgendwann beantworten müssen. Wir gestalten sie bereits heute.

von links: Magdalena Gärtner (EdTech Austria/Innovation Salzburg), Martin Bauer (BMB), Lukas Mang (WKS), Melina Schneider-Lugger (WKÖ), Landesrätin Daniela Gutschi, Birgit Schwabl-Drobir (BMWET), Eva Nittmann (EdTech Austria/Innovation Salzburg) und Walter Haas (Innovation Salzburg), Foto: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer

Gemeinsam möglich gemacht

Ein herzliches Dankeschön an alle Speaker:innen, Aussteller:innen, Fellows, Partner:innen und Teilnehmenden, die den EdTech Austria Summit 2026 bereichert haben! Ebenso danken wir dem Team von Innovation Salzburg, das hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat.

Unser Dank gilt auch den Trägerorganisationen von EdTech Austria – dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), dem Land Salzburg, Innovation Salzburg und der Wirtschaftskammer Salzburg – sowie ganz besonders der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) für die Unterstützung des EdTech Austria Summit 2026.

Weitere Impressionen:

Für EdTech Austria und Innovation Salzburg ist sie auf der Jagd nach herausragenden Ideen und den Geschichten der Menschen dahinter. Als studierte Archäologin ist sie der Überzeugung, dass man Fortschritt und Innovation nicht aufhalten kann – als Kommunikationsprofi weiß sie, dass man darüber berichten muss.

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