Wegbegleiter und Wegbereiter: Polycular und EdTech Austria
Menschen, die uns begegnen, die Teil unseres Weges sind, haben einen großen Einfluss darauf, wie wir uns entwickeln, was aus uns wird. Genau das gilt auch für Unternehmen. So stellt sich natürlich die Frage, welche Wirkung EdTech Austria entfaltet? Im Fall von Polycular zeigt sich eine spannende Symbiose. Aber erstmal zurück an den Start …

Vom Studio zum Produkt
Seit dem ersten Blogbeitrag im Jahr 2021 hat das Salzburger Unternehmen nämlich eine signifikante Transformation durchlaufen und sich vom reinen Studio für Auftragsarbeiten hin zu einem Anbieter eigener Produkte entwickelt. Heute stehen dabei zwei Produkte im Fokus: Escape Fake, ein Augmented-Reality-Spiel zur Vermittlung von Medienkompetenz und zur Bekämpfung von Desinformation, sowie Crew Together, ein B2B-Puzzle-Game zur Förderung von Kommunikation und Kollaboration in Teams.
Escape Fake wurde von einer reinen App zu einem umfassenden Ökosystem ausgebaut. Es umfasst nun gedruckte Toolkits für Lehrkräfte, physische Spiel-Boxen für den Unterricht und zusätzliche Kartenspiele, um den Bedürfnissen des Schulalltags gerecht zu werden. Polycular setzt jedoch nach wie vor konsequent auf Game- und Experience-Based Learning, um durch Erlebnisse Bewusstsein zu bilden und wichtige Kompetenzen zu vermitteln.

Konkrete Chancen durch EdTech Austria
Eine Entwicklung, die auch durch die Zusammenarbeit mit EdTech Austria geprägt war, und zwar gleich auf mehreren Ebenen. In Hinblick auf den Markt erhielt Polycular durch das Netzwerk Zugang zu wichtigen Akteur:innen, wie der Bildungsdirektion und den Pädagogischen Hochschulen. Die Sichtbarkeit auf Messen wie der Interpädagogika ermöglichte es dem Team außerdem, Ideen direkt mit der Zielgruppe zu testen.
Ein wesentlicher Meilenstein war zudem die Teilnahme am Pilotprojekt des Marktplatz Lernapps. Dadurch konnten in kurzer Zeit fast 300 Schulen als Nutzer:innen für Escape Fake gewonnen werden. „Ohne die Lobbyarbeit von EdTech Austria für ein zentrales Budget und eine Verkaufsplattform wäre dieser Zugang für KMU kaum finanzierbar oder organisierbar gewesen“, sagt CEO und Founder Thomas Layer-Wagner. Er betont auch, dass sich ihre Produkte durch das Netzwerk deutlich schneller entwickelt haben, als es allein möglich gewesen wäre.
Geben und Nehmen: Der Beitrag für die Community
Polycular versteht sich wiederum als aktiver Teil des Ökosystems und bringt sich entsprechend ein. Die eigenen Erfahrungen werden in Workshops und Fellowship-Programmen vermittelt, beispielsweise zum Thema Wirkungsmessung (Impact Measurement) in Kooperation mit Forschungseinrichtungen. Durch die Teilnahme an Summits und Events helfen Thomas und sein Team dabei, die Branche als relevanten Wirtschaftszweig und den gesellschaftlichen Mehrwert sichtbar zu machen. Zudem wollen sie „junge EdTechs dabei unterstützen, Fehler zu vermeiden. Deshalb geben wir auch sehr gerne Einblicke in unsere Lernprozesse und Kooperationsmodelle.“

Community und Auftrieb
Besonders die Vernetzung mit wichtigen Akteur:innen ist für Thomas Gold wert: „Das erst macht Wachstum möglich und in unserem Fall hat EdTech Austria viele Türen zu Behörden und Schulen geöffnet, die für einzelne Startups oft verschlossen bleiben.“ Außerdem sorge der Austausch zwischen den Akteur:innen für eine Professionalisierung der gesamten Branche.
In Zeiten konstanter Veränderung, sowohl politisch, gesellschaftlich als auch ökonomisch ist jedenfalls entscheidend, welche Begleiter:innen wir an der Hand haben. Und am bisherigen Weg von Polycular zeigt EdTech Austria seine wahren Stärken: In den letzten Jahren entwickelte sich ein solides Netzwerk mit einer engagierten Community, das Zusammenhalt und Auftrieb für die ganze Branche schafft. Ein Rahmen, damit aus technologischen Innovationen tragfähige Geschäftsmodelle mit echtem pädagogischem Mehrwert entstehen können.
Kurzinterview mit Thomas
Wie hat EdTech Austria geholfen, mit Institutionen wie der Bildungsdirektion in Kontakt zu treten?
EdTech Austria war für uns eine Art Navigationshilfe. Dadurch haben wir gelernt, wie man formal und inhaltlich korrekt mit der Bildungsdirektion kommuniziert oder Kooperationen mit Pädagogischen Hochschulen erfolgreich anstößt. Dieses Wissen um die richtigen Ansprechpersonen und Abläufe war für uns essenziell – ohne dieses Know-how hätten wir überhaupt keine Genehmigung bekommen, in Schulen Workshops durchzuführen oder Daten zu erheben. Für ein privates Unternehmen wie uns wäre dieser Zugang sonst wesentlich langwieriger und schwieriger gewesen.
Ihr habt am Projekt „INTER-DI-KO“ teilgenommen – welche Rolle spielte das für die Weiterentwicklung eurer Produkte?
Über die Vermittlung von EdTech Austria konnten wir bei INTER-DI-KO andocken, einer Kooperation der PH Salzburg, der Universität Salzburg und weiterer Partner:innen. Das war für uns ein echter Test, um Escape Fake in einem wissenschaftlich begleiteten Rahmen zu erproben und hat es ermöglicht, die pädagogische Wirksamkeit unseres Produkts durch strukturierte Datenerhebungen direkt in Schulklassen nachzuweisen. Solche Forschungskooperationen stärken unsere Glaubwürdigkeit bei Lehrkräften und Bildungsverantwortlichen enorm.
Wo siehst du die größten Herausforderungen für die Zukunft von EdTech in Österreich?
Ein kritischer Punkt ist die Finanzierung. Speziell die Kluft zwischen Hardware und Software. Der Staat schafft mit Geräteinitiativen wie iPads für Schüler:innen zwar die Hardware-Basis, aber oft fehlt das Budget für die passenden pädagogischen Anwendungen. Plattformen wie der Marktplatz Lernapps sind hier essenziell, um Schulen überhaupt Zugang zu innovativen Inhalten zu verschaffen. Ohne eine langfristige Strategie für Software-Budgets droht eine riesige klaffende Lücke in der Bildungslandschaft – mit dem Risiko, dass wir am Ende von wenigen großen, zentralen Anbieter:innen abhängig werden. Gleichzeitig müssen zukünftige Bildungsmedien ihre Wirksamkeit auch wissenschaftlich belegen können.
Weitere Beiträge
Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren.

„Der Digitale Backlash ist eine Phase der Ernüchterung“
13. Juli 2026

Digital Backlash: “Zu viele Produkte halten ihre Versprechen nicht”
13. Juli 2026

Digitale Roadshow: Marktplatz Lernapps
22. Juni 2026

SURFjobs bringt Berufsorientierung im Kurzvideo-Format
3. April 2026

Digital heißt nicht automatisch barrierefrei
10. Februar 2026
